Medien : Medieninformationsdienst: Neuer Chef beim Branchendienst

Ulrike Simon

Der 34-Jährige ist der neue Chefredakteur des Heidelberger Medieninformationsdienstes, schrieb Stefan Niggemeier, selbst ehemaliger "Kressi", gestern in der "Süddeutschen Zeitung". "Anders als der direkte Konkurrent "Kontakter" wolle er sich nicht mit Gerüchten profilieren, sagt Redondo-Vega zu der Zeitung aus dem Süddeutschen Verlag, dem der "Kontakter" zu hundert Prozent gehört.

Der 1966 gegründete "Kress" informierte dreißig Jahre lang vierzehntäglich auf gelben Seiten, die nur durch eine Klammer zusammengehalten wurden, über Wesentliches, Hintergründiges und Intimes aus der Medienbranche. Zum Teil verwies Handschriftliches auf folgende Seiten. Der Dienst wirkte wie eine persönliche Information von Günther Kress an seine Abonnenten. Der schwäbische Ein-Mann-Betrieb saß weitab von den Medienhauptstädten. Das Telefon reichte dem "Dienst-Mann", um die wirklichen Macher und Strippenzieher dazu zu bringen, ihm alles zu erzählen. Kress sog die Informationen auf, verknüpfte sie mit seinem Wissen über die Branche und die handelnden Personen und schrieb das Ganze mit mindestens so viel List wie Distanz.

1996 verkaufte Kress den "Kress". Peter Turi und Thomas Wengenroth machten den bis dahin nur Insidern bekannten "Kress" zur Marke, indem sie mit "täglich kress" einen Online-Dienst erfanden, der jedem Interessierten kostenlos die Meldungen des Tages liefert. Wieso dieser Dienst "Kress" heißt, wissen heute immer weniger. Auch die Spannung auf den nun wöchentlichen gedruckten "Kress" hat nachgelassen. An der Qualität der Online-Informationen liegt das nicht. Eher an der Unpersönlichkeit des Branchenblattes, das zu einem Verlag mit 30 Mitarbeitern angewachsen ist. Zudem geht es in den Medien zu wie im Fußball, wissen sportbegeisterte Branchenkenner: Jeder, der eine Redaktion von innen gesehen hat, glaubt, über Medien Bescheid zu wissen und darüber berichten zu können.

Zu- und Abgänge haben dem "Kress-Report" unter Turi geschadet. Hinzu kam, dass Thomas Wengenroth sich gezwungen sah, ein Machtwort zu sprechen, um aufgrund von Turis anderen Geschäftsaktivitäten in der Branche die Unabhängigkeit des "Kress-Reports" nicht zu gefährden. Turi hat den Dienst mittlerweile verlassen. Nachdem Gespräche mit Christoph Fasel (früher "Das Beste") nicht fruchteten und Hans-Jürgen Jacobs vom "Spiegel" nicht wollte liegt es jetzt am früheren "Max"-Textchef, der schon als Student den "Kress" las, die Gratwanderung zu schaffen, in der Branche ein Außenstehender zu werden, dem man Intimstes anvertraut.

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