Medienkonsum : Genug ist genug

Täglich neun Stunden, 43 Minuten, so stark nutzen die Deutschen die Medien. Das bedeutet aber keinen neuen Rekord, sondern einen leichten Abschwung. Ganz klar zulegen kann das Internet.

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Die Jugend liest gerne online, was offline in der Zeitung steht. Foto: variopress
Die Jugend liest gerne online, was offline in der Zeitung steht. Foto: variopressFoto: Image Source / vario images

Immer mehr Medien suchen die Aufmerksamkeit des Publikums. Aber aus diesem Mehr resultiert keine wachsende Nutzung. Das ist das, vielleicht, überraschende Ergebnis der Langzeitstudie „Massenkommunikation“, die ARD und ZDF seit 1964 zum zehnten Mal durchgeführt haben. Danach nutzen die Deutschen ab 14 Jahre pro Tag neun Stunden und 43 Minuten Medien. In der Umfrage 2005 waren es noch genau zehn Stunden gewesen. Damit scheint das Zeitbudget für Mediennutzung jetzt Grenzen erreicht zu haben, nachdem es in den vergangenen Jahren immer weiter expandiert war. 1964 waren es drei Stunden, 14 Minuten.

Im aktuellen Vergleich der Medien liegen Fernsehen und Radio weiterhin vorne. Das Fernsehen wird im Schnitt 220 Minuten pro Tag eingeschaltet, der Hörfunk kommt auf 187 Minuten. Radio und TV zusammen machen etwa zwei Drittel des täglichen Medienkonsums aus. Die größten Zuwachsraten verzeichnet das Internet. Waren 2005 die Deutschen pro Tag noch 44 Minuten online, so hat sich dieser Wert binnen fünf Jahren mit 83 Minuten beinahe verdoppelt. Die Tageszeitungen werden 23 Minuten lang gelesen, Zeitschriften rund sechs Minuten, Bücher 22 Minuten.

Der Höhepunkt des Medienkonsums liegt, wie die Studie zeigt, zwischen 20 Uhr 30 und 21 Uhr. Beinahe 80 Prozent der Bevölkerung widmen sich in dieser halben Stunde einem Medium. Für alle gilt: Das Radio ist vor allem ein Morgen-, das Fernsehen ein Abendmedium, beim Internet (als Büromedium) zieht sich die Nutzung gleichmäßig über den Tag.

Markus Schächter, ZDF-Intendant und Vorsitzender der ARD/ZDF-Medienkommission, folgerte aus den Zahlen, es sei eine Mär, dass sich die Medien gegenseitig verdrängen würden. „Fernsehen ist und bleibt ein Leitmedium“, sagte Schächter. Das werde sich wenigstens in den nächsten zehn Jahren nicht ändern. 94 Prozent der Bevölkerung stimmen laut Studie der Aussage zu, dass das Fernsehen seine Bedeutung bei der Mediennutzung beibehalten wird. 93 Prozent erwarten, die Medien würden innerhalb der nächsten zehn Jahre immer und überall verfügbar sein. Ob Fernsehen, Internet oder Print, ein Medium, das nicht mobil ist, wird seine Zukunft nicht finden.

Mit Blick auf die grassierenden Wachstumsraten der Internet-Nutzung sagte Helmut Reitze, HR-Chef und stellvertretender Vorsitzender der Medienkommission, „wer den Anschluss an die jungen Generationen nicht verlieren will, muss auf allen relevanten Plattformen wie dem Internet präsent sein“. Bei den 14- bis 29-Jährigen hat das Internet (144 Minuten täglich) das Fernsehen mit 155 Minuten fast eingeholt. Wie sehr die junge Bevölkerung ihr Medienverhalten nach der Präsenz eines Mediums im Netz ausrichtet, zeigt der Wert, wonach 57 Prozent der 14- bis 29-Jährigen massenmediale Inhalte – Tageszeitung, Radio, TV – über das Netz ansteuern. Bei den älteren Zielgruppen sind es nur 28 Prozent. Bei diesen stehen auch die nicht-medialen Features des Netzes im Zentrum, also E-Mail, Suchmaschinen, Spiele, E-Commerce.

Interessant sind auch die Motive, die für die Nutzung des jeweiligen Mediums genannt wurden: Liegen beim Fernsehen „sich entspannen“ und „sich informieren“ weit vorn, nannten allein 94 Prozent der befragten jungen Leute beim Internet das Nutzungsmotiv „macht Spaß“ an erster Stelle.

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