Medienkonzerne : Bancrofts beraten über Verkauf an Murdoch

Die weit verzweigte Bancroft-Familie hat Montag in Boston über den Verkauf des amerikanischen Medienkonzerns Dow Jones & Company an die News Corp. des Medienmagnaten Rupert Murdoch beraten.

Matthias B. Krause

New York, 24. Juli. Das Passwort war undramatisch. „Familientreffen“ mussten die Mitglieder des Bancroft-Clans den Angestellten eines Hotels in der Bostoner City zuraunen, um in den Saal gelassen zu werden. Hinter geschlossenen Türen ging es weniger reibungslos zu. Sechs Stunden tagten die rund drei Dutzend Vertreter der Familie, deren Besitztum am traditionsreichen „Wall Street Journal“ sich bis 1902 zurückverfolgen lässt. Die Risse, die das finanziell attraktive Kaufangebot des Verlegers Rupert Murdoch auftat, wurden kaum kleiner. „Es war ein sehr produktives Treffen“, sagte Familienvertreter Michael Elefante, „sie haben alle Informationen, die sie benötigen, um eine gute Entscheidung über das Angebot zu treffen.“

Mit einem Ergebnis wird bis Ende der Woche gerechnet. Gelingt es Murdoch, mehr als ein Drittel der Familienstimmen auf seine Seite zu bringen, wäre er am Ziel. Zuvor hatte der Verwaltungsrat des Medienkonzerns Dow Jones & Company, der das „Wall Street Journal“ (WSJ) herausgibt, dem Fünf-Milliarden-Dollar-Angebot zugestimmt, das wenigstens 750 Millionen Dollar über dem Marktwert der Aktien liegt. Die Bancroft-Familie hält nur rund 25 Prozent der Wertpapiere, besitzt aber über Mehrfachstimmrechte 64 Prozent der Stimmen. Murdochs Schachzug hatte Schockwellen durch die Medienlandschaft geschickt. Redakteure des „WSJ“ protestierten mit einer Arbeitsniederlegung gegen eine Übernahme durch Murdochs mächtige News Corp. In einer Titelgeschichte belegten sie, wie der erzkonservative Murdoch Einfluss auf die zum Konzern gehörenden Journalisten nimmt. Der deutsche Verleger Dieter von Holtzbrinck hatte in der vergangenen Woche unter Protest den Vorstand der Dow Jones & Company verlassen. Hinter den Kulissen arbeiten Mitglieder der Bancroft-Familie mit Hochdruck an Gegenangeboten. Offiziell gibt es nur eine Offerte des Internet-Unternehmers Brad Greenspan, die finanziell weit hinter Murdochs zurückliegt.Matthias B. Krause

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