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Medienkonzerne : Springer will Teile der WAZ-Gruppe kaufen

Springer will Teile der WAZ-Gruppe kaufen und stößt auf Widerstand. Eine der beiden Gesellschafterfamilien des Essener Zeitungsunternehmens weist das Angebot zurück.

Zur Essener WAZ-Gruppe gehören in Deutschland unter anderem zahlreiche Zeitungen, Zeitschriftentitel, das Online-Portal DerWesten.de sowie Beteiligungen an Fernseh- und Radiosendern.
Zur Essener WAZ-Gruppe gehören in Deutschland unter anderem zahlreiche Zeitungen, Zeitschriftentitel, das Online-Portal...Foto: dpa

Die Axel Springer AG hat einen Vorstoß zum Einstieg in die WAZ-Mediengruppe unternommen und umgehend von einer der zwei Gesellschafterfamilien eine Absage bekommen. Springer-Sprecherin Edda Fels bestätigte am Freitag in Berlin, dass das Unternehmen ein unverbindliches Angebot gemacht habe. Dieses stehe unter Vorbehalt der Prüfung der Bücher der WAZ-Gruppe und der Kartellbehörden. Die zu 50 Prozent an der WAZ-Gruppe beteiligte Funke-Gruppe und die Tochter des Gründers Jakob Funke, Petra Grotkamp, wiesen Springers Angebot zurück.

Die Miteigentümerin Petra Grotkamp hatte erst Ende August der anderen Gründerfamilie Brost das Angebot gemacht, deren 50-prozentigen Anteil an der WAZ-Gruppe zu übernehmen. Damals teilte ihr Rechtsanwalt Andreas Urban mit, über die Eckpunkte des Verkaufs sei bereits Einigkeit erzielt worden.

Am Freitag teilte Urban mit, Petra Grotkamp weise das Angebot Springers nachdrücklich zurück. Sie weise darauf hin, dass diese Geschäftsbereiche nicht zur Disposition stünden und die Axel Springer AG nach den Gesellschaftverträgen auch nicht Gesellschafter der WAZ-Mediengruppe werden könne.

Die Funke-Gruppe sei derzeit an einem Verkauf von Teilen der WAZ- Mediengruppe nicht interessiert, teilte deren Sprecher Klaus Schubries mit. Auch ein Verkauf von Geschäftsanteilen „kommt nicht infrage“, fügte er hinzu. „Daher ergeben sich keine Verhandlungsmöglichkeiten mit der Axel Springer AG.“ Der Anwalt der Familie Brost, Peter Heinemann, reagierte lediglich mit einem Bibelzitat auf das Angebot: „Prüfet alles und behaltet das beste. (Paulus, 1. Timotheus-Brief).“

„Manager Magazin Online“ hatte zuvor berichtet, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner habe in der Offerte („Indikatives Angebot zum Erwerb von WAZ-Geschäftsbereichen“) vom 28. September geschrieben, von Springers Seite bestehe „nach wie vor ein erhebliches Interesse an einem Erwerb der WAZ-Beteiligungen in Österreich an 'Kronè und 'Kurier'“. Springer wolle auch das Zeitschriftengeschäft der WAZ sowie einige Regionalzeitungen und Anzeigenblätter übernehmen.

Ein Gebot für die gesamte WAZ-Gruppe, schreibt Döpfner dem Bericht zufolge, „würden wir heute nicht prinzipiell ausschließen wollen“, wenngleich er auf „große kartellrechtliche Hürden“ hinweist: „Die Bewertung der gesamten WAZ-Mediengruppe sähen wir ... bei circa 1,4 Milliarden Euro“, hieß es laut „Manager Magazin“ weiter. Unternehmenssprecherin Fels wollte zur angebotenen Summe nichts sagen.

Der Anwalt von Petra Grotkamp erklärte: „Die in dem Angebot enthaltenen Bewertungen sind unzutreffend, und das Angebot begegnet auch erheblichen kartellrechtlichen Bedenken.“ Grotkamp werde sich nicht an Transaktionen beteiligen, die eine Zerschlagung der WAZ-Mediengruppe oder die Veräußerung dieser Gruppe zum Inhalt oder zur Folge hätte. „Sie wird vielmehr dafür Sorge tragen, dass die WAZ-Mediengruppe weiter als unabhängiges Unternehmen bestehen bleibt und hält gemeinsam mit der Familie Brost an dem Vorhaben des Erwerbs der Anteile der Familie Brost fest.“ (dapd)

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