Medienkrise : Staatsauftrag: Schreiben

Die niederländischen Medien stehen unter Druck. Nun wird die Presse von der Regierung unterstützt.

Jorn de CockD

Für die niederländischen Medien regnet es Hiobsbotschaften. Kürzlich wurde bekannt, dass das mit 120 Millionen Euro verschuldete Medienunternehmen PCM mit nationalen Flaggschiffen wie den Tageszeitungen „NRC Handelsblad“ und „De Volkskrant“ in die Hände der belgischen Medienfirma De Persgroep übergeht – also an einen ausländischen Medienunternehmer, noch dazu aus dem kleinen Nachbarland. Diese Nachricht schlug ein wie eine Bombe.

Vorige Woche meldete dann „AD“, die zweitgrößte Zeitung der Niederlande, dass sie am Ende dieses Jahres fast ein Drittel ihrer Journalisten entlassen werde. „AD“ entstand vor vier Jahren durch den Zusammenschluss des „Algemeen Dagblad“ mit sieben regionalen Zeitungen und ist – wie PCM – hochverschuldet. Dazu kämpft die Zeitung mit einem dramatischen Rückgang der Werbeeinnahmen. Die niederländische Journalistenvereinigung NVJ zeigte sich „erschrocken“ über die drastischen Sparmaßnahmen bei „AD“.

Bereits Anfang des Jahres hatte der sozialdemokratische Medienminister Ronald Plasterk eine „provisorische Kommission Innovation und Zukunft der Presse“ einberufen, die untersuchen soll, wie die Nachrichtenversorgung in den Niederlanden garantiert werden kann – doch in der aktuellen Krise kann Plasterk nicht abwarten. Deshalb schlug er kürzlich eigene Notmaßnahmen vor: Sein Ministerium werde vier Millionen Euro in einen „Stimulierungsfonds für die Presse“ investieren. Damit könnten von den Zeitungen 60 junge Journalisten – maximal zwei pro Zeitung – gratis für zwei Jahre beschäftigt werden.

„Der Minister hat festgestellt, dass vor allem junge Journalisten Opfer der Krise sind: Sie sind die Ersten, die entlassen werden“, sagte Hans van den Broek, Sprecher von Plasterk. „Damit haben wir ein doppeltes Problem, denn die Innovation in den Medien wird vor allem von diesen jungen Leuten vorangetrieben. Mit diesen vier Millionen Euro lancieren wir eine neue Generation, die selbst die Weiterentwicklung der Medien gestalten kann.“

Ein Staat, der die Journalisten finanziert, klingt das nicht wie zu Zeiten der sowjetischen Staatszeitung „Prawda“? „Die jungen Journalisten werden sich nicht bei uns bewerben müssen“, erklärte van den Broek. „Es sind die Zeitungen, die je nach Belieben diese neuen Reporter anwerben werden und sich das von dem Stimulierungsfonds für die Presse finanzieren lassen können.“

Dennoch ist nicht jeder glücklich mit Minister Plasterks Notmaßnahme. „Er meint es zweifellos gut, aber dennoch denke ich nicht, dass wir sein Angebot akzeptieren“, schrieb Willem Schoonen, Chefredakteur der Tageszeitung „Trouw“, in einem Kommentar. „Wir wollen nicht abhängig werden vom Staat, vor allem nicht redaktionell.“

Die Journalistenvereinigung hingegen begrüßte das Vorhaben. „Für junge Journalisten werden so zusätzliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt kreiert, was sehr notwendig ist“, sagte NVJ-Generalsekretär Thomas Bruning. Der NVJ will sich dennoch „dafür einsetzen, dass dieser Beitrag auch tatsächlich als Extra-Investition genutzt wird“. Heißt: Zeitungsverlage sollten nicht zwei ältere Journalisten feuern können, um auf Staatskosten zwei junge einzustellen. Jorn de Cock

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