Medienkritik : Der Fernsehnazi

Uniform, Hakenkreuzfahnen und ein paar Hitlerjungen - fertig ist das "Dritte Reich". So sieht und zeigt es zumindest das Fernsehen in Produktionen wie "Die Brücke" oder "Die Gustloff".

Joachim Huber

Am Montag ist er wieder durchs deutsche Fernsehbild marschiert, der Adolf Nazi. Bei der „Brücke“, bei ProSieben war’s. Adolf Nazi war ganz leicht zu identifizieren. Er trug die Uniform eines „Goldfasans“, eines hochrangigen Funktionärs der NSDAP. Die trug kein Zweiter, also gab es nur einen echten Nazi in der Dorfgemeinschaft. Wer ihn nicht an der Kostümuniform erkennen konnte (Scherz!), der konnte ihn am Gebrüll erkennen. Adolf Nazi brüllte, wie und was nur Adolf Fernsehnazi brüllen kann: Durchhalteparolen, Drohungen, Dumpfbackiges. Zwischendurch ließ er sich vom minderjährigen Dienstmädchen oral befriedigen, am Schluss verwandelte er sich via Kostümwechsel feige in einen Zivilisten. Der Standartenführer war auf die unsympathischste Figur in der „Brücke“ hin getrimmt.

Letzthin, bei der „Gustloff“ im ZDF, war Adolf Nazi auch dabei. Der „Gustloff“-Fasan sah dem „Brücke“-Fasan so ähnlich wie ein Abziehbild dem anderen. Der Nationalsozialismus geht dem fiktionalen Fernsehen extrem leicht von der Hand, drei Hakenkreuzfahnen, ein „Goldfasan“, zwei Hitlerjungen – fertig ist das „Dritte Reich“. Adolf Nazi selbst hat nur zwei Merkmale, er ist so böse wie blöde, manchmal ist er blöder als böse, manchmal blöder als böse. An dieser Karikatur soll einer begreifen können, wie die Nazis aus dem deutschen Volk ein Nazi-Volk machen konnten, wie die Deutschen willig und billig das Nazi-Volk wurden? Es muss aber, folgt man den Film-und-Fernseh-Produktionen, sehr einfach gewesen sein: Böse und blöde hat gereicht, schneidig und schreien hat genügt. Das ist kein schönes Zeugnis, das Adolf seinen früheren Mitnazis ausstellt.

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