Mediennutzung : Alle wollen nur Google?

Das 61. Forum Pariser Platz fragte: Wie viel Medien braucht der Bürger? Die riesige Internetsuchmaschine schwebte dabei wie ein Damoklesschwert über den Häuptern von Kurt Beck, Jürgen Doetz & Co.

Markus Ehrenberg

Wie viel Medien braucht der Bürger? Gute Frage. Die prominenten Diskutanten im 61. Forum Pariser Platz am Donnerstagabend hatten darauf auch keine Antwort. Immer mehr Internet, immer dünnere Zeitungen, immer älter anmutendes Fernsehen – „wie viel Medien will der Mensch eigentlich?“, brachte Moderator Ernst Elitz, Intendant des Deutschlandradios, die allgemeine Ratlosigkeit auf den Punkt. Eines steht fest: Immer weniger junge Menschen lesen Tageszeitung. Helmut Markwort, Vorstandsmitglied der Hubert Burda Media AG, und Kurt Beck, SPD, rheinland-pfälzischer Ministerpräsident, verwiesen ferner auf die fortschreitende Konzentration bei Lokalzeitungen. „Das trifft nicht die Städte, sondern vor allem die ländlichen Regionen, wo es nicht so einfach ist, alternative Angebote zu finden“, sagte Beck, der auch Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder ist.

Markwort fügte hinzu, dass es in vielen Regionen Deutschlands nur noch eine Zeitung gebe. Mehrmals auf politische Maßnahmen zur Stärkung der Zeitungsvielfalt angesprochen, kündigte Beck weitere Gespräche mit Medienhäusern an. Im Raum stehen Vorschläge wie eine Einschränkung des TV-Sponsorings von ARD und ZDF nach 20 Uhr. Davon könnten die Anzeigenmärkte profitieren.

Erwartungsgemäß kontrovers die Diskussion um die öffentlich-rechtlichen Aktivitäten im Internet. Ob es tagesschau.de oder heute.de angesichts vieler guter privater Informationsportale wirklich brauche, zog „Spiegel“-Chef Mathias Müller von Blumencron in Zweifel. Der Präsident des Privatsenderverbandes VPRT, Jürgen Doetz, wies darauf hin, dass auch kommerzielle Internetprojekte eine Alternative zur schwindenden Presse seien. Der gebührenfinanzierte Rundfunk dürfe mit seiner Präsenz im Internet nicht die privaten Angebote gefährden. Zu Peter Boudgoust, dem Vorsitzenden der ARD, sagte er: „Mit Ihren Angeboten zerstören Sie jede Marktchance.“ Es handele sich hierbei um „politisch gewollte Wettbewerbsverzerrung“.

Ein Medium scheint der Bürger auf jeden Fall zu brauchen und zu wollen: Google. Die riesige Internetsuchmaschine schwebte wie ein Damoklesschwert über den Häuptern der deutschen Mediengranden. Während Boudgoust „die Googles dieser Welt“ als die eigentliche Gefahr für alle Medien skizzierte, sagte Doetz: „Wir müssen aufhören, diese Googles zu verteufeln. Wir müssen den Markt zur Kenntnis nehmen.“ Markwort forderte die Politik auf, Internetkonzerne besser zu kontrollieren. „Das ist eine riesige Macht, ein riesiges Monopol, und keiner tut etwas dagegen. “ Als es bei der Diskussion im Eugen-Gutmann-Haus der Dresdner Bank plötzlich lautstarke Tonprobleme gab und krachte, sagte Elitz: „Das war Google!“ Markus Ehrenberg

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