Medien : Medienrepublik (100)

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Matthias Kalle steht auf zwischenmenschliche Beziehungen im Journalismus

Man müsste doch mal, sagte vor kurzem ein Kollege in trauter Runde, ein Diagramm erstellen, auf welchem die unzähligen Beziehungen von Journalisten untereinander aufgezeichnet würden – was dabei rauskäme, so behauptete der Kollege, das wäre sicherlich allerhand. Fanden die anderen allerdings nicht, bis sich der Kollege deutlicher ausdrückte: „Ich meine natürlich nicht Freundschaften, Interessengemeinschaften, Klüngel und Seilschaften. Ich meinte Liebe, Sex, solche Sachen.“ Und darauf sagten dann die anderen „Ah!“ und „Oh!“, und dass das ja tatsächlich allerhand sei und manche kicherten, während andere einen roten Kopf bekamen und sich schnell verabschiedeten – wohin auch immer.

Was soll nun diese launige Episode schon wieder beweisen? Zum einen, dass Journalisten mitnichten über Rentenreform, Bürgerversicherung und Oliver Kahn reden, wenn sie unter sich sind. Zum anderen beweist es, dass es doch noch immer die alte Geschichte ist, die den Menschen umtreibt und die sein Leben spannend macht – das Feuilleton der „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ widmete vergangenen Sonntag sogar seine halbe Ausgabe der Liebe, der Romantik, die sie zurückkehren sieht in die deutsche Literatur und weil der deutsche Journalist in Wahrheit gerne ein deutscher Literat wäre, tauchte in der letzten Woche die Liebe als Motiv in der Medienrepublik auf.

Die Liebe trieb Außenminister Joschka Fischer weg von seiner Frau, der Journalisten (!) Nicola Leske, hin zu einer Studentin. Er ließ sich scheiden, die neue Liebe soll bereits bei ihm wohnen, darüber darf aber nicht berichtet werden und das ist völlig in Ordnung, sonst würde Franz Josef Wagner womöglich noch mehr Briefe an Fischer schreiben – der vom Donnerstag war schon zuviel. Was aber macht man, wenn die Denkbatterie leer ist? Dann kann man sich entweder für den „Playboy“ ausziehen, wie Susan Stahnke.

Das tat sie sicherlich aus Liebe: zu ihrem Mann, zu ihrer Karriere, zu ihren, nun, Fans. Des Geldes wegen kann sie es nicht getan haben, schließlich soll doch ein reicher Mann ihr leiblicher Vater sein. Wenn dem so ist, dann hat die Stahnke ausgesorgt. Oder man zieht sich für „GQ“ aus und behält dabei seine Kleider an – dieses Kunststück gelang Cora Schumacher, das ist die Frau vom Rennfahrer Ralf und in etwas, dass mit „Interview“ betitelt ist, verweigert sie auf die Frage, was sie an ihrem Mann besonders schätze, die Antwort mit dem Hinweis, das sei jetzt aber zu privat. Das gleiche antwortet sie auf die knallharte Frage „Wie würden Sie Erotik definieren?“ So´n Mist – fast wäre es dem Interviewer gelungen, der Frau die Weltformel zu entlocken.

Stichwort Weltformel: Das Diagramm über „Liebe, Sex, solche Sachen“ im deutschen Journalismus ist in Arbeit. Ein exklusiver Abdruck erscheint demnächst hier in der Medienrepublik. Oder wollen Sie das gar nicht wissen? Nein? Dann eben nicht.

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