Medien : Medienrepublik (106)

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Harald Martenstein über

Schreinemakers Quarantänezeit, Willemsens gebrochenes Versprechen

und Friedmans Ungeduld

Der Moderator Roger Willemsen hat sich vor zwei Jahren mit großer Geste aus dem Fernsehen zurückgezogen, nun kehrt er zurück. Willemsen moderiert ab Februar den „Literaturclub“ auf 3 sat. Wenn einer über das Fernsehen so verachtungsvoll geredet hat wie Willemsen, muss er sich bei seinem Comeback schon ein bisschen Spott gefallen lassen. Andererseits ist Willemsens kauzige Intellektualität natürlich immer ein Lichtblick an düsteren Fernsehabenden gewesen, deshalb sollte man es mit dem Spott nicht übertreiben.

Willemsen wurde vermisst. Hat man Margarethe Schreinemakers vermisst? Die Moderatorin, nur zur Erinnerung, fiel einer Steueraffäre zum Opfer. Ihr erster Comeback-Versuch scheiterte an der Dämlichkeit des Sendekonzepts von „Big Diet“. Ab Januar soll sie im ARD-Nachmittagsprogramm wieder zurück zu den Wurzeln, die neue Sendung „Schreinemakers“ funktioniert offenbar so ähnlich wie ihre alte Erfolgsshow.

Sie kommen alle wieder. Das alles überstrahlende Comeback dieser Tage aber ist natürlich das Comeback des Michel Friedman – mit Auftritten bei „Sabine Christiansen“ und im „Grünen Salon“, mit Kommentaren beim Radiosender 100,6“, mit einer Kolumne in „Max“ und als Herausgeber beim Aufbau- Verlag. Sozusagen auf allen Kanälen. Nur die eigene Sendung fehlt noch.

Auch Friedman wird vermisst. Weniger die Person, sondern der Stil. Die Unerbittlichkeit seiner Interviews, sein Beharren auf unbequemen Fragen, sein Verzicht aufs Ranschmeißen und Geliebtwerdenwollen, all die journalistischen Tugenden, die man anderswo nicht immer findet.

Dass Sandra Maischbergers Quoten nicht gen Himmel streben, hängt vielleicht weniger mit Maischbergers Person oder ihrer Sendung zusammen als mit dem Genre des netten, garantiert konfliktfreien Talks, das sie bedient und an dem eindeutig ein Überangebot besteht.

Härte, wem Härte gebührt

Ob Friedman selbst in seinem moralisch ramponierten Zustand die alte Friedman- Rolle wieder glaubwürdig spielen kann, darf stark bezweifelt werden. Er drängt nach nicht einmal sechs Monaten wieder mit Macht ans Licht. Das wirkt ungeduldig und eifrig. Zum Vergleich: Schreinemakers blieb fast drei Jahre unter Quarantäne. Spannend an seinem Comeback ist die Frage, ob er sich selbst als öffentliche Person neu erfindet, und wie. Spannend ist aber auch der Umgang der Interviewer mit Friedman. Er hat nie Ausflüchte oder Phrasen geduldet, er hat immer dort besonders hartnäckig gebohrt, wo es besonders weh tut.

Die Interviewer müssen ihm jetzt die Ehre antun, seine Methode an ihm selbst auszuprobieren.

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