Medien : Medienrepublik (109)

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Matthias Kalle schießt mit seiner besten Geheimwaffe

Und dann dachte ich, dass das ZDF da aber mal richtig Mist gebaut hat. Denn anstatt sich an das eigene Programmschema zu halten und die große Entscheidungsshow der Serie „Unsere Besten“ wie angekündigt am Freitag zu senden, wurde bereits am Donnerstag gezeigt, wen der Deutsche am meisten schätzt – so was stiftet doch nur Verwirrung und ist ein Ärgernis für den Zuschauer. Vor allem, weil in der Sendung gar niemand war, für den sich die Paten eingesetzt haben und für den man abgestimmt hat, stattdessen: Dieter Bohlen, die No Angels und – Riesenüberraschung – Johannes Heesters auf Platz eins. Ist der nicht Holländer? Und was ist eigentlich aus Johannes B. Kerner geworden? Geht’s dem nicht gut? Aber dann fiel mir auf, dass das ja gar nicht Kerner ist, sondern Jörg Pilawa, und Pilawa ist doch nicht die Geheimwaffe des ZDF (das ist nämlich Kerner), sondern die Geheimwaffe der ARD (Kleiner GeheimwaffenExkurs: Geheimwaffe RTL ist Günther Jauch, wenn der nicht kann/will ist es Oliver Geissen; Sat 1 hat keine Geheimwaffe, sondern Kai Pflaume, was der Sender sicherlich bedauert). Außerdem hatten die Preisträger auch noch ein goldenes Reh in der Hand. Da war mir klar, dass das gar nicht „Unsere Besten“ war, sondern die Bambi-Verleihung, aber da ging es auch ziemlich elitär zu: Die Chefs der Konzerne Lufthansa und adidas-Salomon wurden für ihr Wirken ausgezeichnet, ebenso Yvonne Catterfeld.

Hat nicht einmal Willy Brandt einen Bambi bekommen? Jedenfalls erhielt der Mann den Friedensnobelpreis, doch das reichte am Freitagabend, als „Unsere Besten“ dann doch lief, nur zum fünften Platz, was etwas verwundert, schließlich wurde der zweite Kanzler in der Top Ten, Konrad Adenauer, am Ende „unser bester Deutscher“, was mit Sicherheit an seinem Paten Guido Knopp lag, der messerscharf für den Mann argumentierte und sich die ganze Show ja auch ausgedacht hatte. Einen Nobelpreis zu haben brachte also nix – Albert Einstein wurde Zehnter, der hatte aber auch das Pech, Nina Ruge als Patin zu haben. Überhaupt die Paten. Priesen ihren „Besten“ an wie der Bauer seine Kuh auf dem Viehmarkt. Das erreichte zuweilen Stammtischniveau, zumal im Publikum Jubelperser saßen, und das hatte etwas von „Deutschland sucht den Superstar“. Der einzige Superstar, der zur Wahl stand, wurde dann schließlich Sechster: Bach. Bach wird bleiben. Marx wird irgendwann vergessen sein, Adenauer sowieso, Bismarck wird als Hering im kollektiven Gedächtnis bleiben, und Goethe, nun, bei Goethe bemühen wir Harald Schmidt: „Goethe wird überschätzt.“ Überschätzt wird auch Gutenberg, was der erfand, hätte jemand anderes früher oder später auch erfunden, was man von Luther nicht behaupten kann, der war menschlich mehr als fragwürdig. Das wiederum waren die Geschwister Scholl nicht, deshalb geht der vierte Platz völlig in Ordnung.

Nicht in Ordnung ist, dass dann auch noch der Kasper Ingo Appelt in der Sendung auftrat, einer der schlechtesten Komiker unserer Zeit. Vielleicht passt also doch alles zusammen. Nur Bach sollte posthum mal irgendwas gewinnen. Und wenn es ein Bambi ist.

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