Medien : Medienrepublik (125)

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Markus Ehrenberg macht sich Sorgen um Anke Engelke. Aber nur ein bisschen.

Geradezu „ostentativ unzynisch“ fand die „Netzeitung“ das spektakulärste DoppelInterview der Medien-Woche. Anke Engelke im „Spiegel“ und in der „Zeit“ über die Pläne für ihre neue Late- Night-Show und das schwere Erbe ihres Vorgängers Harald Schmidt. Zunächst mal: Stopp, Halt. Mal ehrlich, vermisst jemand Harald Schmidt? Fast 100 Tage Einsamkeit liegen hinter uns. 100 Tage ohne „Harald Schmidt Show“. Das Geschrei war groß, als Dirty Harry vor Weihnachten seinen Abschied nahm. Danach gab es, gibt es noch die peinlichen Wiederholungen der alten Shows auf N 24 und die Meldung, dass Schmidt Kreuzfahrten und Segeltouren macht. Seltsam. Wenn man in diesen Tagen eingeschworene Fans, die früher nie um Viertel nach elf angerufen werden durften, fragt, ob sie abends die „Harald Schmidt Show“ vermissen, überlegen sie kurz, schütteln den Kopf und sagen: Nö. War da was?

Aber doch, da war schon was, und das macht Schmidts Nachfolgerin, je näher der der Termin von „Anke Late Night“ rückt, so anziehend unzynisch. Bisher hat bei Anke Engelke karrieremäßig ja alles geklappt. Kinderstar, Öffentlich-rechtlicher Hörfunk, „Wochenshow“, „Anke – die Comedyserie“, „Ladykracher“. Late Night sei nicht ihr Talent, hat sie mal gesagt. Nun kommt am 11. Mai – „Anke Late Night“. Und sicher die Medienmeute. Anke ganz oben. Nein, Neid schließe sie aus, aber das muss ja gar nicht sein. Der Start wird schwer genug. Zur Erinnerung: Fast jedes Format, das jetzt reibungslos läuft, sah am Anfang nicht danach aus. Die zunächst geschmacklose „Harald Schmidt Show“, die ersten Wochen von Sabine Christiansen, Quiz-Pilawa und Kerner, immer noch Sandra Maischberger – und im Juni vielleicht Anke Engelke? Gescheitert an der zu hohen Erwartungshaltung, verloren zwischen Schenkelklopfer-Sketchen und tagesaktuellem, politischem Witz? Die Engelke kann Sketche machen, aber nicht reden? Ach, Rudi Carrell.

Es spricht für Engelkes Selbstbewusstsein, dass sie jetzt in Interviews nach vorne geht, der Boulevardpresse zuruft: „Zerreißt euch das Maul!“ Auch wenn das ein bisschen so klingt wie das Pfeifen im Walde oder wie Ottmar Hitzfeld, der von der Meisterschaft redet. Das erste halbe Jahr werde ganz, ganz bitter, schiebt Anke Engelke entwaffnend hinterher, „da kann ich in die Selbsthilfegruppe gehen, in der Gottschalk, Schmidt, Willemsen sitzen.“ Alle die Schlauen säßen da und heulen, dass man es ihnen anfangs so schwer gemacht hat.

Gottschalk, Schmidt, Engelke. Nicht übel. Zwölf Mal fällt der Name „Schmidt“ im „Spiegel“-Interview, acht Mal im „Zeit“-Gespräch. Dort kam auch das Wörtchen „Moral“ vor. Dazu dann mehr im nächsten Engelke-Interview. Mit „Cicero“.

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