Medien : Medienrepublik (131)

-

Norbert Thomma freut sich über das Amerika von Craig Unger und Michael Moore

Dies ist die letzte Medienrepublik in der Geschichte der Menschheit. Mit dem Relaunch des Tagesspiegel (Start: kommender Donnerstag) stirbt diese bei Alt und Jung gleichermaßen beliebte Kolumne. Mehr als zwei Jahre lang wurde Sonntag für Sonntag mal die verlogenen Tränen des FranzJosef Wagner getrocknet, mal die wundersame „FAZ“-Beilage Technik und Motor gepriesen. Zum Abschluss soll eine alte Tradition dieser Rubrik aufgegriffen werden: Das Lob Amerikas, der gelebte Proamerikanismus.

Warum?

Darum: Die „New York Times“ hat diesen Donnerstag, lange vor Beginn der Olympischen Spiele in Athen, eine Goldmedaille vergeben, „eine Goldmedaille für Feigheit“. Umgehängt wurde sie der Walt Disney Company. Der Konzern hat seiner Tochterfirma Miramax verboten, den neuen Film von Michael Moore in die Kinos zu bringen. Michael Moore schreit: Zensur! Der „Miami Herald“ schreibt, die in der vergangenen Woche in den US-Medien tobende Kontroverse „garantiert maximale Aufmerksamkeit“ für Moores Film „Fahrenheit 911“. Die „Washington Post“ sieht diesen trotz allem kommende Woche beim Festival in Cannes laufen.

Es soll in diesem Film um die Beziehungen der Familie Bush zu den Saudis gehen, und das ist, in Zeiten eines Folterskandals und eines Präsidentschaftswahlkampfes ein Politikum. Doch noch ehe sich die Demokraten so recht über die Wahlhilfe freuen können, unkt der berechenbare Mister Moore, deren Parteifreunde würde er sich ebenfalls zur Brust nehmen.

Kleiner Exkurs: „Auch George W. Bush, der 43. Präsident der Vereinigten Staaten, begann seine Karriere als Ölunternehmer in Texas. Während seiner Tätigkeit als Direktor von Harken Energy wurde die notleidende Ölfirma durch eine Geldspritze von Saudis und anderen Investoren gerettet, die Verbindungen zu BCCI besaßen, einer in dunkle Geschäfte verwickelten und von Saudis beherrschten Bank …“ Nach dem 11. 9. ließ die Bush-Regierung ungefähr 140 Saudis ausfliegen, darunter etwa zwei Dutzend Mitglieder der Familie Bin Laden.

Solche Sätze riechen nach Michael Moore, sie sind aber aus dem neuen Buch von Craig Unger „Die Bushs und die Saudis, Öl, Macht und Terror“ (Piper Verlag). Craig ist Journalist, ein angesehener dazu, der auf 400 Seiten die Öl-Connection einer Reihe von Regierungsmitgliedern haarklein recherchiert. Ein flott zu lesendes Sachbuch, über das sogar im US-Senat gesprochen wurde. Was für eine glänzende Arbeitsteilung: Der eine leistet eine journalistische Arbeit, die es in Deutschland so kaum gibt, der andere macht einen (vermutlich) unterhaltsamen Film, wie es ihn auf diese Art in Deutschland nicht gibt.

Amerika, Du hast es besser!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben