Medien : Medienrepublik (42)

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Norbert Thomma verteidigt die „taz“ gegen Jack Wolfskin

und lobt die Manneskraft von Franz Beckenbauer

Das Etikett, der , ein Begriff. Sie machen eine Marke unverwechselbar. Beispielsweise „Literaturpapst“. Gibt’s nur einen, der wohnt in Frankfurt. „Bomber.“ Kann nur Gerd Müller sein. „Die mit dem Blubb“ ist die mit der hohen Stimme und dem tiefen Dekolleté. „Haribo“ hat blonde Locken und eine große Nase. „Kaiser.“ Mhm, nicht ganz so einfach. Was oder wer ist Kaiser? Ist es …

a) der von der Hamburg-Mannheimer?

b) eine Lebensmittelkette?

c) Akihito aus Japan?

d) Franz Beckenbauer?

Unklar, wem das Label gehört. Kann man sich vorstellen, dass die japanische Regierung gegen die Versicherung klagt? Mit der Begründung womöglich, sie würde auf dem Rücken des Thronfolgers Geschäfte machen? Und einen Kaiser gäbe es in Japan seit 2662 Jahren; als in Hamburg und Mannheim noch Barbaren hausten! Und wird der Bayern-Präsident den Supermarkt vor den Kadi zerren? Beckenbauer könnte ja geltend machen, die mit der Teekanne würden durch den Verkauf von Toilettenpapier sein Image herabsetzen. Er sei als KAISER schließlich eine Nobel-Marke!

Man glaubt es nicht, stimmt’s? Die „taz“ hat es auch nicht geglaubt. Aber vergangene Woche hat Jack Wolfskin einen Prozess gegen die „taz“ gewonnen.

Wolfskin macht Hemden und Rucksäcke und so was vom Typ Outdoor. Die „taz“ macht eine Zeitung. Das Zeichen von Wolfskin ist der Pfotenabdruck eines Wolfs. Das Zeichen der „taz“ ist der Pfotenabdruck einer Katze. Kann ein erfahrener Trapper einen Wolf mit einer Katze verwechseln? Wie oft hat jemand einen Regenschirm von Wolfskin kaufen wollen und ist mit einer Zeitung nach Hause gekommen, tropfnass und verwirrt? Fest steht, die Tatze ist eine Erfindung der „taz". Wolfskin hat sie kopiert, aber als Marke schützen lassen. Nun muss die „taz“ ihre Werbe-Produkte prüfen. Keine Katzenpfote mehr auf allen Gegenständen, die Käufern das Hirn verschwurbeln! Betroffen sind 170 „taz"-Handtücher. Sie werden demnächst in einem Brandenburger Wald vergraben, man spielt dazu den Trauermarsch von Chopin.

Fahrt hin in Frieden, Ihr Frotteelappen!

Das Urteil des Gerichts jedoch war salomonisch. Produkte jenseits der Wolfskin-Palette dürfen weiter die Katzenpfote haben, wenn auch „taz“ darauf steht. Spielkarten also. Oder Thermoskannen. Was aber, wenn jemand damit im Garten Skat spielt? Was, wer heißen Tee in „taz"-Kannen mit zum Wandern nimmt? Sind das dann Outdoor-Produkte? Wer macht sich dann strafbar? Die Welt, ach, ist kompliziert. Schande also und Schimpf in Richtung Wolfskin. Applaus und Bravo hingegen für den Kaiser! Die Deutschen sterben aus, 2050 werden es gerade noch 60 Millionen sein. Und Beckenbauer? Der tut was. Vor zwei Jahren hat er noch ein Kind gezeugt, na ja, außerehelich. Und 7-facher Opa ist der Kaiser auch schon. Wenn der „Firlefranz“ („Der Spiegel“) so weitermacht, wird im Jahre 2090 jeder zweite Deutsche von Beckenbauer abstammen. Und dann ist Deutschland auf Jahrhunderte im Fußball unschlagbar.

Das wird Beckenbauers Frau Sybille nicht trösten. Der Kaiser hat sie gerade verlassen. Begleitet wird die Trennung von einer fantastischen „Bild"-Heuchel-Kampagne. „Er will sich nur noch um seinen Sohn kümmern“, dröhnt es von Seite 1. „Warum er seinen unehelichen Sohn mehr liebt als seine Ehefrau“ sülzt es tags darauf. Und Franz Josef Wagner verbietet der Betrogenen jedes Gefühl: „Kein Mensch kann einen bald 60-jährigen Mann hassen, dem die Tränen kommen, wenn ein kleines Bündel Seitensprung ,Papa’ plappert." So klingt es, wenn einer die Boulevard-Fritzen fest im Griff hat.

Der Franz, der kann’s.

Und dann war da noch die Rubrik „Goodbye“ im Weekend der „Financial Times". Große Tränen werden da Dénes Törzs nachgeweint, dem weiß-strubbeligen TV-Ansager des NDR. Er verschwindet vom Bildschirm. Nie mehr diese herzrührenden Hinweise auf späte Filme! Nie mehr diese Törzs-Pullover! Ist ja alles nicht wahr. Am Mittwoch hatte die „Netzeitung“ den Abgang des Ansagers gemeldet, 15 Uhr 47, am Donnerstag hat sie sich korrigiert, 17 Uhr 21.

Zu spät für die „FTD“, aber zu Ehren von Dénes Törzs. Der Mann gehört schon längst mal gewürdigt. Egal wie.

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