Medien : Medienrepublik (49)

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Christoph Amend über die Gäste Westerwelle und Fischer bei Harald Schmidt

Es geht im Fernsehen nicht so sehr darum, was jemand sagt, sondern wie man es sagt. Was also hat der Zuschauer der Harald-Schmidt-Show am Donnerstag und Freitag über die Gäste Guido Westerwelle und Joschka Fischer erfahren?

Westerwelle fühlt sich von Anfang an ganz in seinem Element. Er trägt eine gelb-blaue Krawatte, grinst fröhlich und sagte, er merke besonders im anstrengenden Finale vor dem Wahltag, wie wertvoll „eine Zweitstimme“ sei. Lacher im Publikum. Einmal rutscht er auf Stefan-Raab-Niveau ab, als er sagt: „Über meine schönste Büchse rede ich mit Ihnen nicht.“ Woraufhin Schmidt antwortet, Cornelia Pieper sei also abgemeldet. Ansonsten hält sich Schmidt an die Regel, dass ein Late-Night-Gastgeber seine Gäste gut aussehen lässt. Bestes Beispiel ist der Jürgen-Möllemann-Dialog. Westerwelle: „Dazu sage ich ohne meine Anwalt gar nichts.“ Schmidt: „Was ist das eigentlich mit Mölli?“ Westerwelle: „Das frage ich mich manchmal auch.“ Auf Schmidts Frage, ob er sich deshalb eher „happy“ fühle oder eher denke, „ich kotze gleich“, verwandelt Westerwelle die Vorlage: „Eher das Zweite.“ Lacher im Publikum, Applaus. Westerwelle kann zufrieden sein: Er hat sich als jugendlicher Spaßvogel präsentiert, der auch mal ernst wird, wenn es etwa um das Thema Flut geht, aber im Grunde den Eindruck vermittelt: Ich bin einer von euch.

Am nächsten Tag Fischer. Er kommt ohne Krawatte, schaut anfangs skeptisch und reagiert auf manche Frage („Ihr Team nennt Sie Gottvater?“) richtig knurrig. Nach dem ersten Abtasten spürt man etwas, das selten vorkommt bei Schmidt: Er hat Respekt vor seinem Gast. „Herr, lass Sonntag werden“, sagt Fischer erschöpft; Schmidt antwortet: „Ihre Stimme kommt geil.“ Dann fragt er Fischer, wie er das hinbekommen habe, als er vor vier Jahren Außenminister wurde: „Am Freitag haben Sie in Hessen Frösche gerettet, und am Montag waren Sie schon . . .“

Und als die beiden Schwaben sich in ihrer Heimatsprache übers Einkaufen unterhalten („Günschtig“), da merkt man, wie die Inszenierung des Außenministers aufgegangen ist: Er pflegt den Pathos der Distanz und schaut Schmidt ganz staatsmännisch an: „Ich hoffe, dass Sie richtig wählen“ – auf die Zweitstimme komme es an.

Schmidt wiegelt ab, er verrate nichts. Nur so viel: „Mit der Erststimme wähle ich jemanden hier in Köln, der gerade nicht im Knast sitzt.“

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