Medien : Medienrepublik (74)

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Matthias Kalle verrät Ihnen heute etwas. Aber pssst! Nur „unter 3“!

Manch einer vermutet ja, dass wir in einer Wissensgesellschaft leben – denn wer nicht viel weiß, der hat es schwer im Leben, aber wer was weiß, der kann an einem einzigen Abend sogar Millionär werden.

Aber was ist, wenn einer mit seinem Wissen nichts anfangen kann? Wenn sein Wissen vollkommen überflüssig, ja unnütz ist? Menschen, die mit anständigen Berufen ihren Lebensunterhalt bestreiten, können sich ja gar nicht vorstellen, was Journalisten so alles wissen. Und vor allem: Wie früh sie was wissen. Besonders fix in der Informationsbeschaffung sind dabei die Kollegen in München. Das hat Gründe. Eine Bar, eine Redewendung und die Tatsache, dass in München so unheimlich viel Spannendes passiert. Aber der Reihe nach.

Journalisten und solche, die es mal werden wollen, treffen sich gerne im „Schumann’s“, um Neuigkeiten auszutauschen. In ihren Gesprächen heißt es dann oft: „Das sage ich dir jetzt aber unter 3.“ Wenn Journalisten den Begriff „unter 3“ hören, dann flippen sie regelrecht aus vor Verzückung, manch einer würde für eine Information, die es „unter 3“ gibt, sogar seiner Oma ihr klein Häuschen verjubeln. Was aber bedeutet „unter 3“?

Unter Punkt D der Satzung der Bundespressekonferenz heißt es unter § 17:

Die Mitteilungen auf den Pressekonferenzen erfolgen:

unter 1. zur beliebigen Verwendung oder

unter 2. zur Verwertung ohne Quelle und ohne Nennung des Auskunftgebenden oder

unter 3. vertraulich.

Alles, was „unter 3“ gesagt wird, gehört also nicht gedruckt und nicht gesendet. Im vergangenen Herbst erzählten sich Journalisten im Schumann’s „unter 3“, dass der Torwart Oliver Kahn wohl eine Affäre habe.

Vor einer Woche gab es dann diese Neuigkeit „unter 1“: Die Fachzeitschrift „die aktuelle“ erwischte Oliver Kahn und Verena K. beim Kneipenbummel durch Schwabing. Dann stand es in der „Bild“Zeitung, und dann stand es überall, und dann kam es zu einer regelrechten Wissensexplosion: Die „Bild“-Zeitung nannte Verena K. ein „Disco-Mädchen“, weil sie ihre Nächte in der Münchener Diskothek P 1 verbringt. Fotos belegen, dass sie dort ihr Geld verdient, man weiß nur nicht genau, womit eigentlich. Dafür weiß man jetzt, nach einer Woche, dass das Disco-Mädchen nicht nur ein Disco-Mädchen ist – jetzt befindet sie sich bereits in der Liga der Promi-Luder. Man weiß ferner, was in Kahns Kulturbeutel steckt, und dass Verena K. zum Shoppen nach Los Angeles fliegt. Das ist doch mal eine Meldung, denn Los Angeles war ja als Modemetropole bisher vollkommen unterschätzt – und sollte es wohl auch bleiben, wenn man sich die Fotos mal genauer anschaut. Immerhin ahnt man jetzt, wer Oliver Kahn in letzter Zeit eingekleidet hat.

Oder war das doch die ominöse „dritte Frau“, die im Sommer vergangenen Jahres Kahns Geliebte gewesen sein soll?

Weiß das etwa keiner? Hallo, liebe Kollegen! Bitte mal recherchieren und weitererzählen. Natürlich „unter 3“. Früher oder später erfährt es eh jeder. Ob er will oder nicht. Denn Wissen ist Last.

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