Medien : Medienrepublik (78)

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Norbert Thomma sieht George W. Bush als Volltrottel auf RTL 2

Die Amerikaner sind ein freies Volk, sie sind frei, freier, am freiesten. Sie haben seit 1886 die Freiheitsstatue vor Manhattan stehen. Die Amerikaner haben „Freedom Corps“, die sie in alle Welt schicken. Die Amerikaner haben die „Operation Iraqi Freedom“ und alle Denkmäler von Saddam Hussein in die Knie gezwungen. Die Amerikaner essen „Freedom Fries“. Das sind Kartoffelstäbchen, sie hießen vor der „Operation Iraqi Freedom“ French Fries. Dann hat George W. Bush die Fritten umgetauft, weil er sich über die Franzosen ärgern musste. Die Freiheitsstatue hat er nicht zurückgeschickt. Die Dame mit dem erhobenen Arm ist ein Geschenk Frankreichs aus der alten FrenchFries-Ära.

Die Amerikaner sind frei. Die Agentur AP meldete neue Zahlen des US-Justizministeriums. Danach wurde die Rekordmarke von zwei Millionen Gefangenen überschritten. Einer von 142 Einwohnern in den USA sitzt im Knast. Dort können sie über George W. Bush lachen.

Die größte Freiheit der Amerikaner ist: Sie können sich über Bush lustig machen, ohne den Vorwurf zu hören, sie seien Antiamerikaner. Art Spiegelman („Maus“) hat in einem Cartoon Bush mit Bin Laden verglichen. Als Amerikaner darf er das. Im Internet (politicalhumor.about.com/cs/georgewbush/) finden sich haufenweise Kalauer und Plakate: Bush als Turbanator, Bush als Gladiator…Es sind Amerikaner, die das ins Netz stellen.

Diesen Sonntag läuft auf RTL 2 wieder „Hier kommt Bush!“ Das ist eine Sitcom, gemacht von Amerikanern fürs amerikanische Fernsehen. Es ist bitterböses, niveauloses Fernsehen, total antiamerikanisch. Es zeigt George W. Bush als Volltrottel. Der Werbeslogan des US-Senders war: „Er hat sich die Präsidentschaft ergaunert, nun stiehlt er eure Herzen!“ Das klingt wie bei Michael Moore, der sich wegen Manipulationen bei der Wahl weigert, Bush „Mister President“ zu nennen.

Vergangene Woche bekam Bush Besuch im Weißen Haus von alten Schulfreunden. Die Jungs wollten unbedingt ihren Kumpel George zu einer Hinrichtung begleiten. Dort furzte Bush dem Delinquenten ins Gesicht und witzelte, ein bisschen Gas zur Giftspritze könne nichts schaden. So ist „Hier kommt Bush! Gattin Laura fragt, „hast du heute wieder die Hosen voll?“, und Bush guckt nickend wie ein Zwölfjähriger, der die Hosen voll hat. Humor der untersten Schublade. Aber so komisch wie „Seinfeld“ oder „Golden Girls“ allemal. Sitcom eben.

In den heutigen Folgen ist Bush stinkesauer. Er hat ein superklasse Raketenabwehrsystem, aber keinen Kabelanschluss. Er fummelt an der Elektrik herum. Aus Versehen feuert er Raketen auf Österreich, dessen Präsident ebenso umgehend wie unpräventiv Washington auszuradieren versucht – mit Hilfe von zwei Assistentinnen. So viel Freiheit gönnen amerikanische TV-Macher dem alten Europa. Merci! Danke!

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