Medien : Medienrepublik (98)

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Norbert Thomma sammelt Böses über Sandra Maischberger und Metaphern von einem anderen „Stern“

Da waren sie, diese „rehbraunen Augen … der zur Schlange mutierten Maischberger“ („Rheinische Post“) beim ersten Auftritt in der ARD respektive dem Berliner Tränenpalast, und schauten über „eine teichgroße Holzplatte“ („Süddeutsche Zeitung“). „Äußerst konzentriert“ (dpa) waren die Augen, aber „mehr als Augenzusammenkneifen … hat Sandra Maischberger nicht zu bieten“ („FAZ“).

So, und damit ist bewiesen, dass die „Welt“ sich in ihrer Kritik irrte mit dem Orakel: „Wahrscheinlich wird wieder niemand schreiben, dass es ganz schlecht gewesen sei.“ Die „FAZ“ fand’s „öde“, die „taz“ forderte ultimativ „andere Gesprächpartner“, die „SZ“ nölte über die „maskenhaft desinteressierte Frau Maischberger“, die „FR“ sah die bislang hochgelobte GesprächsLenkmeisterin „verklemmt“, und quasi letztendlich: „Dass der Boulevard ihre Heimat nicht ist, zeigte sich auch …“ Das Reh Maischberger hat die Schonung n-tv verlassen, willkommen bei 2,35 Millionen Zuschauern! Allein die „Berliner Zeitung“ fand alles super-supi, vermutlich „hypnotisiert wie ein Kaninchen“ („Rheinische Post“). Ach, diese Augen, was wird nicht alles von ihnen erwartet! Und dann: „Ein Wunder ist nicht geschehen. Niemandem wurde ein Geständnis abgerungen, kein Gast riss sich das Mieder von der Seele“ („Die Welt“).

Sandra Maischberger ist eben keine Miederabrissbirne.

Und nur mal so gefragt: Hat der „Stern“ keine Billardredaktion? Weil Hans-Ulrich Jörges in seinem Zwischenruf diese Woche vom „Billardtisch der deutschen Politik“ berichtet, wo bis zum Ende unklar bleibt, ob Joschka Fischer nun Karambolage spielt (die französische Variante) oder Pool (das mit den Löchern). Sicher ist hingegen, dass „trudelnd angeschnitten“ wie bei Jörges noch keine Kugel je übern Filz rollte; und wer „die Bahn seines Spielballs in allen Phasen nachzuzeichnen“ behauptet, sollte im Folgenden auch über den Spielball schreiben, nicht aber über die damit angespielten Kugeln wie Westerwelle.

Neben all dem Klicken und Klacken der Billardkugeln sieht der Zwischenrufer den Kanzler im „Tunnel der miserablen Umfragewerte“. Hochinteressant: Müsste es richtigerweise heißen:

a) Regentonne der miserablen Umfragewerte?

b) Straßengraben der miserablen Umfragewerte?

c) Mustopf der miserablen Umfragewerte?

Die Sprachredaktion dieser Zeitung schlägt dem „Stern“ als Lösung vor: „In der Dachrinne der Umfragewerte schwimmen der Regierung die Felle davon, auf der die Wähler sitzen.“ Denn merke: Wer Metaphern missbräuchlich verwendet oder dem Metaphernmissbrauch wissentlich Vorschub leistet, den „überrollt der Volkszorn wie eine Dampflok von hinten“ (Jörges).

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