Medien : Medienschelte im Überfluss

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Frau Haas, worüber haben Sie sich in dieser Woche in den Medien geärgert?

Geärgert habe ich mich über die anhaltende Medienschelte einiger Politiker. Manche Theorien werden auch durch dauernde Wiederholung nicht wahrer. Stattdessen sollte sich das politische Personal an die eigene Nase fassen: Wahlkampf und Ergebnis zeigen auch das erstaunliche Vermittlungsdefizit, das die Politik derzeit produziert. Politische Inhalte und politische Weichenstellungen, die tief in das Leben aller eingreifen, müssen erklärt werden. Das ist allen Seiten nur ungenügend gelungen.

Gab es auch etwas, worüber Sie sich gefreut haben?

Gefreut habe ich mich in dieser Woche über die unglaubliche Sperrigkeit aller potentiellen Koalitionspartner und den vielstimmigen Chor der Spekulationen in allen Lagern. Dieser Chor hat in Zeiten der einheitlichen Sprachregelungen und der Disziplinierung des eigenen Lagers über SMS-Botschaften etwas wohltuend Anarchisches. Nicht wirklich etwas, das dem Bürger die Zuversicht gibt, allen ginge es um das Wohl des Landes, aber wunderbarer Stoff für Journalisten!

Ingrid M. Haas

ist Direktorin Information und Medienpolitik von RTL Television

in Köln

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