Medien : Medienstandort Berlin-Brandenburg: Der "One-Euro-Man"

Sabine Beikler

Bernd Schiphorst wirkt nach seiner fast einjährigen Tätigkeit als Medienbeauftragter für die Region Berlin-Brandenburg immer noch hoch motiviert. "Mir macht es wirklich Spaß, im Medienbereich mitzugestalten und zwischen Politik und Wirtschaft zu vermitteln." Schiphorst hat ein jährliches Budget von einer Million Mark zur Verfügung, je zur Hälfte finanziert von Berlin und Brandenburg. Seine sechs Mitarbeiter werden aus anderen Töpfen bezahlt. Er selbst arbeitet ehrenamtlich und versteht sich als unabhängiger "One-Euro-Man" - trotz seines Beratervertrags mit dem Bertelsmann-Konzern, in dem er vor seiner jetzigen Tätigkeit beschäftigt war.

Seine Bilanz über Berlin als Medienstandort ist durchweg positiv: 16 000 Medienunternehmen haben sich inzwischen in der Hauptstadt angesiedelt, eine Steigerung von 26 Prozent innerhalb eines Jahres. Durch den 2001 geplanten Umzug von Universal Music von Hamburg nach Berlin gehe zudem ein "wichtiges Signal für die ganze Musikbranche" aus. Schiphorst stellt erneut klar, dass Universal "nicht wegen der EU-Fördermittel" an die Spree ziehen wolle, sondern aus "konzeptionellen Gründen". Was die Konkurrenzsituation zwischen Berlin und Hamburg angeht, stünden beide Städte trotz allem zu ihrem "Medien-Tandem" und dem Kooperationsvertrag, den die beiden Senate auf einer gemeinsamen Sitzung am 15. Mai in Hamburg unterzeichnet haben. Dennoch: "Die Konkurrenz untereinander fällt dadurch nicht weg", sagt der 58-jährige Schiphorst.

Im Gegensatz zu anderen Medienstandorten wie Hamburg, Köln oder München würde sich die Branche in der Region hier nicht durch Abwerbungen untereinander auszeichnen: "18 000 junge Leute werden in Berlin und Brandenburg in Medinberufen und im IT-Bereich ausgebildet." Berlin werde in anderen Städten inzwischen als "Angstgegner" angesehen.

Schiphorsts Vision der Hauptstadtregion ist die Konzentration auf digitale Medien. Internet-Magazine, Film- und Fernsehproduktionen, das geplante gemeinsame Marketing der Studiobetriebe in Babelsberg und Adlershof und das Netzwerk newmedia.net, dem sich inzwischen 80 Unternehmen und Privatpersonen angeschlossen haben, seien gute Voraussetzungen für eine "strategische Bündelung der Interessen". Schiphorst fordert allerdings mehr Planungssicherheit für die Filmförderung der Region als Tor zum Medienmarkt in Osteuropa. Mit Blick auf die geplante Fusion Berlin-Brandenburg betont Schiphorst eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den beiden Sendern SFB und ORB - für ihn ist dies zurzeit aber "eher Ausdruck von Hoffnung statt eine konkrete Erwartung".

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