Medienwoche : Geplante "heute"-App sorgt für Unmut

Zum Start des Kongresses Medienwoche@ifa wird über einen alten Streit diskutiert - befeuert von einem neuen Anlass.

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Bernd Neumann
Bernd NeumannFoto: ARD Degeto/Franziska Krug

Mit dieser App können alle leben: Anders als die ARD-App zur „Tagesschau“ werden über die auf der Ifa vorgestellte ZDF-Applikation ausschließlich Videos aus der Mediathek des Mainzer Senders bereitgestellt. Doch Thomas Bellut, designierter Nachfolger von Intendant Markus Schächter, kündigte am Montag auf dem Internationalen Medienkongress zur Medienwoche@Ifa bereits die nächste App an: zur Nachrichtensendung „heute“.

Der Streit zwischen dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk und den privaten Zeitungsverlegern bestimmte den Start der Medienwoche in Berlin. Bellut empfahl, das Schlachtgetöse verklingen zu lassen, um zu einer konstruktiven Lösung zu gelangen. Er versprach, dass die Mainzer mit der „heute“-App warten wollen. Das zeugt nicht allein von einer späten Einsicht des Gebührenfernsehens, sondern hat damit zu tun, dass die Zulassung der App durch Apple aussteht.

Anders als die „Tagesschau“-App wurde die neue Mediathek-App des ZDF, mit der Sendungen und Filme des Senders auf mobilen Endgeräten angeschaut werden können, von den Verlegern begrüßt. Diese sei ein positives Beispiel für eine einvernehmliche Lösung. „Wenn nach diesem Modell künftig alle öffentlich-rechtlichen Angebote auf Tablets und Smartphones gestaltet werden, dann ist der Konflikt zwischen Verlagen und den Rundfunksendern gelöst“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Dietmar Wolff.

Zuvor hatte Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner eine faire Wettbewerbsordnung angemahnt, in der Klarheit herrscht, dass auch die öffentlich-rechtlichen Sender die Spielräume der digitalisierten Welt nutzen können, ohne sie allerdings zu missbrauchen. ARD und ZDF müssten „nicht in allen Gewässern fischen, die die digitale Technik bietet“, sagte Döpfner und kritisierte ein „Griechenland“-Special in der App zur „Tagesschau“. „40 000 Worte sind Zeitungsjournalismus, das ist keine Sendungsbegleitung.“ Döpfner machte einen Kompromissvorschlag. Bewegtbilder und Audiobeiträge sollten ARD und ZDF uneingeschränkt und kostenlos online verbreiten dürfen. Zusatzangebote mit Text, wie sie auch die Printmedien ins Netz stellen, sollten die Sender nur kostenpflichtig zu marktüblichen Preisen anbieten dürfen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann unterstrich den Anspruch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf angemessene Entwicklungsmöglichkeiten in der digitalen Welt. Diese dürften aber nicht zulasten eines ausgewogenen Verhältnisses zwischen privaten und öffentlich-rechtlichen Medien gehen: „Die Chancen der Printmedien für neue Geschäftsfelder im Onlinebereich müssen gewahrt werden.“

Der internationale Medienkongress findet parallel zur Ifa statt. 200 Referenten diskutieren auf 70 Veranstaltungen unter dem Motto „Digital is now!“ unter anderem über Finanzierungsmodelle für die digitalisierte Medienbranche. Mit Spannung wird am Dienstag die Rede von Wikileaks-Gründer Julian Assange erwartet. Weil er sich in Großbritannien in Hausarrest befindet, wird sein Vortrag via Satellit nach Berlin übertragen. Die Whistleblower-Plattform ist in die Kritik geraten, nachdem 250 000 Dokumente ungeschwärzt mit den Namen von Informanten ins Internet gelangten. Kurt Sagatz

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