Medienwoche II : Rahmenwahl – der Streit um das Bundesliga-Fernsehen

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) will "in den nächsten Wochen und Monaten" mit der neuen Ausschreibung für die Vermarktung der Fußball-Bundesliga ab der Saison 2009/2010 beginnen. Das kündigte DFL-Direktor Tom Bender auf einer Podiumsdiskussion auf der Medienwoche an.

Markus Ehrenberg
Bundesliga
Wie wird das neue Konzept der DFL für die Bundesligaübertragung aussehen?Foto: ddp

„Quo Vadis Bundesliga – welche Konsequenzen hat der neue Wettbewerb für die Rechtevergabe und das TV-Angebot?“ so lautete das Thema der Veranstaltung am Montagnachmittag, nachdem das Bundeskartellamt der DFL mit einem Zwischenbescheid zur Zentralvermarktung im Juli neue Rahmenbedingungen für die Ausschreibung gesetzt hatte. Die Behörde hält es für angezeigt, dass eine Highlight-Verwertung im Free-TV am Samstagabend vor 20 Uhr stattfinden müsse. Damit wurde das erste Vermarktungsmodell der DFL mit ihrem Partner Sirius, das jährlich 500 Millionen Euro erwirtschaften sollte, konterkariert. Es hatte einen veränderten Spielplan mit mehr Sonntagspartien vorgesehen.

Unter diesen Bedingungen könne der Vertrag nicht aufrecht erhalten werden, sagte Dejan Jocic von Sirius Sports Media. Man wolle nun zusammen mit der DFL „prüfen, welche Optionen bestehen“. Bender ließ offen, ob die DFL die Vorgaben des Kartellamts juristisch anfechten möchte. „Wir können diese Entscheidung aber so nicht stehen lassen“, verdeutlichte Liga-Vorstand Peter Peters von Schalke 04.

Die seit Wochen bekannten Positionen zwischen Öffentlich-Rechtlichen und privatem Fernsehen, zwischen Free-TV und Pay-TV prallten auch bei dieser Diskussion ziemlich unversöhnlich aufeinander. Weniger Wettbewerb, auch in einer neuen Ausschreibung, befürchtet Rainer Hüther von EM.Sport Media in Richtung von ARD-Programmdirektor Günter Struve. Es sei eine Farce anzunehmen, dass irgendein Privatsender gegen die reichlich mit Gebührengeldern ausgestattete ARD am frühen Samstagabend, also bei einer „Sportschau“ vor 20 Uhr, mitbieten würde.

RTL-Sportchef Manfred Loppe ließ offen, ob der Kölner Privatsender ein Gebot für die Fußball-Bundesliga abgeben werde. Man müsse erst das neue DFL-Konzept abwarten.

Die Zeit dränge, nicht nur für die 36 Bundesligavereine und ihre Lizenzierung, auch für die Vermarktungspläne der Fernsehsender 2009, das sagte auch Carsten Schmidt von Premiere. Konkreter wollte DFL-Mann Bender mit der Terminierung für die neue Ausschreibung aber in Berlin nicht werden. Wie weit Ansprüche und Wirklichkeit bei der Liga-Vermarktung offenbar noch auseinander liegen, zeigten zwei Einschätzungen zum Schluss. Auf unter 400 Millionen Euro pro Saison für die DFL taxierte Hüther den erlösbaren Wert der Liga. Die Bundesliga sei mindestens 800 Millionen Euro wert, sagte Jocic. Markus Ehrenberg

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