Medienwoche : Wie Butter und Jeans

Sind Informationen nur noch Ware? Branchenvertreter debattieren über den Wandel der globalen Medienordnung. Einen Schlagabtausch gab es bereits zum Start der Medienwoche Berlin-Brandenburg.

Markus Ehrenberg

Als Heuschrecken bezeichnet man üblicherweise die typischen Vertreter aus den Insektenordnungen der Langfühlerschrecken und Kurzfühlerschrecken. Der britische Medieninvestor David Montgomery hat sich mit dem Kauf der „Berliner Zeitung“ einen Ruf als Heuschrecke erworben. Als Langfühlerschrecke, wenn man Montgomerys Rede zur Eröffnung der Medienwoche Berlin- Brandenburg Glauben schenken darf. Von wegen schnelle Rendite. Er wolle sich langfristig in Deutschland engagieren: „Ich hoffe, mein Ruf als ,Heuschrecke‘ hat im vergangenen Jahr etwas nachgelassen. Zeitungen eignen sich nicht für kurzfristige Investitionen“, sagte Montgomery, dessen Unternehmen Mecom Group Dutzende Blätter in mehreren europäischen Ländern besitzt. Ende 2005 hatte Montgomery den Berliner Verlag übernommen, zu dem der „Berliner Kurier“ und das Stadtmagazin „tip“ gehören, sowie später die „Hamburger Morgenpost“ und auch die „Netzeitung“.

Berlin, Europa, online, offline – „Public Value und das globale Mediengeschäft“ – so der Titel der Eröffnungsveranstaltung der Medienwoche, bei der Branchenvertreter bis Freitag über den Wandel der globalen Medienordnung debattieren, allen voran David Montgomery. Der Begriff „Heuschrecke“ sei eher auf die Finanzinvestoren gemünzt gewesen, die mit ihm den Berliner Verlag übernommen hätten, so Montgomery. „Finanzinvestoren können keine konstruktive Rolle im Zeitungsgeschäft spielen.“ Sein Ziel sei es, den Inhalt der Zeitungen für andere Medienkanäle zu öffnen. Dabei sollten sich Verlage auch in anderen Branchen wie dem Tourismusgeschäft engagieren. Das globale Mediengeschäft in Gestalt von David Montgomery war dann schnell fort, als Dagmar Reim, Intendantin vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), aufs Podium trat. Und wie! Finanzinvestoren und die Medienbranche – das sei eben kein Geschäft wie jedes andere. 17 Redakteure hätten die „Berliner Zeitung“ verlassen, seitdem sie von Mecom gekauft wurde. „Stellen, die nicht ersetzt wurden.“ Reim wiederholte das, was öffentlich-rechtliche Vertreter immer sagen, wenn sie ihr System verteidigen: „Information ist kein Ware wie Butter und Jeans.“ In diese Richtung zielte auch Marc Jan Eumann, Medienkommission beim SPD-Parteivorstand. Er forderte eine strikte Begrenzung der Beteiligung ausländischer Investoren am deutschen Medienmarkt auf 25 Prozent.

Etwas weniger Emotionalisierung in der Debatte um neue Marktstrukturen und Regulierungsrahmen in einer Medienwelt im Umbruch wünschten sich Konstantin Urban (Holtzbrinck Networks), Tobias Schmid, Leiter Medienpolitik RTL, oder auch Götz Mäuser. Der Nachfolger von Haim Saban als Aufsichtsratsvorsitzender der ProSiebenSat1Media AG hat es ebenso mit den Heuschrecken. Mäuser kommt von Permira, ein europäisches, in London ansässiges Private-Equity-Unternehmen. Permira hatte im Dezember 2006 mit dem Investor KKR ProSiebenSat1 übernommen. Seitdem sind die deutschen Privatsender, vor allem Sat1, von Sparmaßnahmen betroffen. Das Wort „Programm“ komme in den Ausführungen des Investors ja gar nicht vor, sagte Dagmar Reim. Ob Mäuser auch länger in Deutschland bleibe wie Montgomery, wollte Moderator Hans-Jürgen Jakobs wissen. Eine konkrete Antwort bekam er nicht.

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