Medien : Meerjungfrauen an der Ostsee

Und Männer als Stichwortgeber: „Eine stürmische Bescherung“ mit den Hogers

Thilo Wydra

Diesmal also geht’s um Existenzielles. Hoch oben in dem abgelegenen Dorf Toftlund-Holst an der Ostseeküste stehen Maren Torkelsen (Hannelore Hoger) und ihren drei Töchtern stürmische Zeiten bevor, und das kurz vor Weihnachten. Der Pachtvertrag ihres Restaurants „Vier Meerjungfrauen“ – Marens Ein und Alles – läuft aus und wird von dem Besitzer Nick Winter (Friedrich von Thun) nicht verlängert. Der will dort einen Hotelklotz hinsetzen, verschwunden wäre das Haus, in dem die Torkelsens auch seit Jahrzehnten leben. Erschwerend hinzu kommt, dass Marens Gatte Friedrich (Jürgen Schornagel) durch ein Missverständnis glaubt, er sei schwer krank. Nur noch wenige Tage bleiben ihm. Denkt er. Also wirft er Kochmütze und Schürze hin und nimmt innerlich Abschied von den „Vier Meerjungfrauen“. Maren, die von alledem nichts weiß, interpretiert Friedrichs Verhalten als nachlassendes Interesse. Da kommt der inkognito anreisende Hotelier Nick Winter als Ablenkung gerade recht. Derweil hat jede ihrer drei Töchter, Muriel (Nina Hoger), May-Brit (Susanne Schäfer) und Nesthäkchen Merle (Lavinia Wilson), so ihr eigenes Problemchen.

„Eine stürmische Bescherung“ ist der dritte Film über die „Vier Meerjungfrauen“. Und wie schon bei dem Vorgänger „Liebe à la carte“ (2006) führte Ulrich Zrenner Regie, schrieb Andrea Kriegl das Drehbuch. Der erste dieser drei Ostseefilme ist nach wie vor der beste. Da war, neben allen Elementen der Unterhaltung und der Leichtigkeit, ein Tiefgang, eine Ernsthaftigkeit, die im zweiten und im dritten Teil einer unausgewogenen Mischung verschiedener Genres gewichen ist. Das Tragische bedingt das Komische und vice versa, das wissen wir seit Lubitschs wunderbar traurigen Komödien, seinen wundervoll heiteren Tragödien.

Wenn aber das Tragische an den Rand des leicht Klamaukigen abzugleiten droht – wie bei den für Jürgen Schornagel undankbaren Szenen über Friedrichs hypochondrische Todesangst –, tut das der Sache nicht gut. Überhaupt: Es fällt bei diesen Szenen und Dialogen aus der Hand von Drehbuchautorin Andrea Kriegl auf, dass die Männer am versöhnlichen Ende zwar allesamt irgendwie gut wegkommen, doch bis dato mitunter wie nicht ernst zu nehmende Stichwortgeber erscheinen. Das trifft denn auch auf die ambivalente Figur des Hoteliers Winter ebenso zu wie auf August Zirners weltfremden Opernkomponisten Harald, den Lebensgefährten von Tochter Muriel, die Nina Hoger forsch und erdig gibt. Schön ist, wie Hannelore Hoger von alledem recht unbeeindruckt durch diesen unentschiedenen Film geht, wie sie lacht, wie sie weint, wie sie einfach keine der dramaturgischen Schwächen anficht. Ihre Maren Torkelsen, das ist eine Frau, die weiß, was sie will, und die dennoch den Mut zur Schwäche hat. Hierin liegt eine ihrer Stärken. Und Hannelore Hoger, die so viel mehr ist als nur „Bella Block“, spielt das schön aus, nuanciert und austariert, voller Lebenskraft und Präsenz. Man glaubt ihr die Angst vor dem Verlust dessen, was ihr kleines Leben ausmacht. Danach hätte sie nichts mehr. Da steht sie dann, und bellt, entrüstet und wütend und verletzt. Die Hoger, sie rettet an der Front, was zu retten ist, und trägt damit auch diesen Film.

„Eine stürmische Bescherung”,

ZDF, 20 Uhr 15

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