Mega-Fusion in Italien : Italienische Verhältnisse

Harte Marktverschiebung in Italien: Die Verlage von „La Repubblica“ und „La Stampa“ fusionieren. Was wird jetzt aus der Pressevielfalt?

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Die Blätter der beteiligten Verlage feiern die „Geburtsstunde von Italiens führender Mediengruppe“.
Die Blätter der beteiligten Verlage feiern die „Geburtsstunde von Italiens führender Mediengruppe“.Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb

Wenn zwei von drei großen Zeitungen eines Landes sich zusammenschließen, ist das allein schon ein Paukenschlag. Die Fusion der Verlage der römischen „Repubblica“ und der Turiner „La Stampa“, die diese Woche offiziell wurde, ist aber auch ein tiefer Einschnitt in Italiens Industriestruktur. Der Autokonzern Fiat, inzwischen Fiat Chrysler Automobiles (Fca) und jahrzehntelang Eigner der „Stampa“, zieht sich mit diesem Schritt ganz aus dem Mediengeschäft zurück. Seine Anteile will er an die Aktionäre verteilen. Gleiches hat Fca mit dem Verlag der Nummer eins auf dem Tageszeitungsmarkt, des „Corriere della sera“ vor, dessen Geschicke Fca als Hauptanteilseigner bisher maßgeblich bestimmte. Fca will sich nach eigenen Angaben aufs Kerngeschäft konzentrieren, das Autobauen. Und macht einen weiteren Schritt weg von Italien. Ohnehin, vermerken Kommentatoren, werde der Konzern inzwischen mehr von Amsterdam und Detroit aus gelenkt als in Turin. Wenn die Kartellbehörde mitspielt, sollen beide Verlage bis Mitte nächsten Jahres verschmolzen sein.

Die Blätter der beteiligten Verlage feiern ihren Zusammenschluss, den die Kartellaufsicht noch genehmigen muss, als die „Geburtsstunde von Italiens führender Mediengruppe“ („Repubblica“), den „Superverlag“ („Stampa“). Hinter der „Repubblica“ steht der größte Print-Konzern Italiens, die „Gruppe L’Espresso“. Zur Espresso-Gruppe gehören neben der 1976 gegründeten „Repubblica“ das Wochenmagazin „L’Espresso“. mehr als ein Dutzend Lokalzeitungen und kleinere Radio- und TV-Sender.

Die alte Rivalität der Industriellen-Dynastien

Der Itedi-Verlag von „La Stampa“ bringt einige Lokalblätter und die vor allem in Ligurien verbreitete „Il Secolo XIX“ ein. Macht 5,8 Millionen Leser und im vergangenen Jahr 750 Millionen Gewinn, rechnen die Partner vor, schuldenfrei. Das ist ein Seitenhieb auf den Mailänder „Corriere“, der sich, noch unter Fiat-Führung, wie seine Journalisten in einer Stellungnahme zur Fusion bei der Konkurrenz bitter anmerkten, mit Zukäufen in Spanien verspekuliert hat. Der Corriere-Verlag Rcs steht jetzt mit 350 Millionen Euro in der Kreide und womöglich vor einer eigenen Krise – angesichts der Marktmachtverschiebung durch die jüngste Fusion und der Aussicht, nach den Autobauern weitere Großaktionäre zu verlieren.

Wenig Platz war im Jubel über den Coup – der auch die alte Rivalität der Industriellen-Dynastien Agnelli (Fiat) und des Espresso-Chefs De Benedetti beerdigen dürfte –für einen Blick auf die Medienkrise, auf die diese Fusion eine Antwort versucht. Die beiden beteiligten Tageszeitungen verlieren massiv verkaufte Auflage. Die Auflage von „Repubblica“ sank seit 2013 von 400 000 auf 288 000 Exemplare. Nur der „Corriere“ schaffte es unter den italienischen Großen, den Trend umzukehren.

In der Redaktion von „Repubblica“, die bereits harte Sparwellen hinter sich hat, fürchtet man nun die nächste Sparrunde. Dabei ist davon die Rede, dass die Schwüre der Beteiligten, die Zeitungen selbst blieben selbständig, schon bald nicht mehr viel wert sein könnten. Vor wenigen Wochen wurde bereits Mario Calabresi Chefredakteur der „Repubblica“. Bis dahin war er das bei „La Stampa“ in Turin.

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