Medien : Mehr als nur eine Mode

Die Lage bessert sich, die Zeitungen haben wieder Ideen

Ulrike Simon

Am Freitag wird sich der Bundesrat mit der Pressefusionskontrolle für Zeitungsverlage befassen. Zwar lautet die unverbindliche Empfehlung des Wirtschafts- und Rechtsausschusses, alles beim Alten zu lassen und den Regierungsentwurf von Minister Wolfgang Clement (SPD) komplett abzulehnen. Es lässt sich jedoch zumindest erahnen, dass erstens Kleinstverlage künftig leichter fusionieren können; zweitens Kleinverlage leichter übernommen werden können; und drittens Verlage jeder Größe die Möglichkeit haben, untereinander auf allen wirtschaftlichen Ebenen zu kooperieren, indem sie gemeinsame Gesellschaften gründen. Die Pressevielfalt würde garantiert, indem die Redaktionen weiterhin eigenständig bleiben.

Dies ist eines der Themen, die den Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) im 50. Jahr seines Bestehens beschäftigen – und mit ihm dessen Hauptgeschäftsführer Volker Schulze, 64, der sein Amt im November an Dietmar Wolff, 41, übergibt. In den vergangenen vier Jahren war es Schulzes Aufgabe, bei der Vorstellung der Geschäftsentwicklung in der Zeitungsbranche auf die dramatischste Situation seit Bestehen des Verbands hinzuweisen. Am Dienstag nun sagte er: „Das Loch scheint durchschritten zu sein.“ Gemeint sind die hohen Umsatzeinbußen insbesondere im Anzeigengeschäft, die die Verlage zu Spar- und Streichaktionen gezwungen hatten.

Zwar gilt auch im vierten Jahr in Folge, dass die Erlöse der Zeitungsverlage rückläufig sind – sie sanken von 9,4 Milliarden Euro im Vorjahr um 5,5 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro im Jahr 2003; bedenkt man jedoch, dass zum Beispiel die Umfänge für Stellenanzeigen von 2001 auf 2002 noch um mehr als 40 Prozent geschrumpft waren, macht das Minus von 12,7 Prozent im Jahr 2003 zumindest Hoffnung. Zumal der im Verband für Multimedia zuständige Hans-Joachim Fuhrmann sagte, Autohändler und Makler würden langsam einsehen, dass das Internet, in welches das Rubrikengeschäft abzuwandern droht, doch nicht „das allein Seligmachende sei“. Sie hätten erkannt, dass ihr Geschäft lokal sei und datenbankgestützte Internetauftritte kombiniert mit Anzeigen in Regionalzeitungen effektiver seien.

Positiv bewertet der Verband Versuche, junge Leser über preiswerte Tabloidformate an die Zeitungslektüre heranzuführen. „20 Cent“ in Cottbus, „Boulevard Würzburg“ und „Welt Kompakt“ in Berlin und Frankfurt seien Erfolg versprechende Beispiele. Während 76,2 Prozent der Bevölkerung täglich Zeitung liest, tun dies bei den 14- bis 19-Jährigen nur 57,4 und bei den 20- bis 29-Jährigen 67,4 Prozent. Jugendliche „scannen schneller die Zeitung auf die für sie wichtigsten Informationen“, weshalb sie bereits nach 30 Minuten und damit neun Minuten eher als der Durchschnittsleser die Zeitung zur Seite legen. Handliche Tabloids „kommen bei den Jungen an“ und sind „keine Modewelle“, sondern „eines der heißesten Themen des Jahres“, sagte Fuhrmann. So auch bei der Verbandstagung im September in Bonn.

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