Medien : Mehr als nur PR?

Die drei Kandidaten der inszenierten Organspendeshow hoffen auf die Politik

Rolf Brockschmidt,Markus Ehrenberg

Nach der im Vorfeld heiß diskutierten Organspende-Show im niederländischen Fernsehen und dem überraschenden Ende am Freitagabend – kurz vor Schluss enttarnte Show-Master Patrick Lodiers die Spender-Show als TV-Inszenierung (der Tagesspiegel berichtete) – richtete sich das Interesse am Wochenende auf dreierlei: auf das Thema Organspende generell, auf das Recht, so eine TV-Show überhaupt abzuziehen und auf das Schicksal der drei nierenkranken Kandidaten, die sich auf die Bluff-Show eingelassen haben, bei der sich eine Schauspielerin als potenzielle Nierenspenderin ausgab.

„Ich fand es irre, mitzuwirken, einfach gut“, sagte die 29-jährige Kandidatin Charlotte. Sie arbeitet mit behinderten Menschen zusammen und hofft, dass die Show-Aktion einem guten Ziel dient. Der niederländischen Tageszeitung „De Telegraaf“ erzählte sie nach der Show, dass Endemol sie im März angesprochen hatte. Ein Jahr hat die Firma an der Show gearbeitet. „Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass es sich um eine Inszenierung handelt. Ich war sofort bereit, mitzumachen. Nach drei Gesprächen war mir klar, dass es sich um eine Inszenierung handelt.“ Sie habe sich trotzdem entschieden, mitzuwirken, „ich hoffe, dass die Politik die Geschichte gut aufnimmt, dass es nicht nur ein Hype wird.“

Der 19-jährige ebenfalls nierenkranke Student Vincent, der Krankenpfleger werden will, hatte in der Show gesagt, dass er das Konzept – eine von einer Schauspielerin dargestellte todkranke Spenderin entscheidet zwischen drei Kandidaten – furchtbar fand. Dann habe er die Chance für Nierenpatienten erkannt. Die 36-jährige Esther Claire, die in der Show sagte, noch einmal gerne auf die Molukken zu reisen, um ihre Familie zu besuchen, arbeitet bei einem Moslemsender. Sie sagte nach der Show: „Ich will die Welt wachrütteln. Die Menschen sind träge und lasch. Füll’ einfach ein Formular aus und fertig!“

Angefordert wurden bisher 18 000 Spenderformulare, davon rund 2000 über die Website der NIGZ (Nationales Institut für Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention). „Nicht jeder schickt sein Formular sofort ausgefüllt zurück. Die Anfrage muss innerhalb von sechs Wochen bestätigt werden. Erst dann haben wir spürbare Resultate“, sagte ein Sprecher des Instituts.

Man mag die Organspende-Show geschmacklos finden oder auch nicht – ein Stück Fernsehgeschichte ist es allemal. Nicht nur die Medien und Millionen Zuschauer, selbst die Kameraleute sollen bis in die Sendung am Freitagabend hinein nicht gewusst haben, worum es wirklich geht. Das erinnert an diverse fiktive oder provokative Sendungen der Mediengeschichte, über den ARD-Film „Das Millionenspiel“, bei dem sich 1970 Freiwillige meldeten, um als Flüchtende an den Hauptpreis von einer Million Mark zu gelangen, bis hin zu der erfundenen Radioreportage von Orson Welles 1938, der „Landung von Marsmenschen in den USA“, die eine Massenpanik auslöste.

Ganz so dramatisch ist es den drei Nierenkranken, die sich an der inszenierten Organspende-Show beteiligten, am Freitagabend zumindest nicht ergangen. Ihre in den Einspielfilmen dargestellten Geschichten, in denen sie ihre Wünsche und Hoffnungen beschrieben, seien echt gewesen, sagten sie. Sie seien froh, mitgemacht zu haben.

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