"Mehr Berlin" ausgezeichnet : Lokaljournalistenpreis für Tagesspiegel-Rubrik

Der Deutsche Lokaljournalistenpreis gilt als „Oscar“ für Lokaljournalisten - nun wurde die "Mehr Berlin"-Rubrik "Fünf Minuten Stadt" ausgezeichnet. Dieter Golombek, der den Preis vor 34 Jahren erfunden hat, gibt den Vorsitz der Jury ab.

Robert Domes
Dieter Golombek
Dieter GolombekFoto: Tobias Christ

Die Auszeichnung der Konrad-Adenauer-Stiftung ist einer der wichtigsten Zeitungspreise in Deutschland. Drei Hauptpreise und eine Handvoll Sonderpreise werden jährlich vergeben. Redaktionen, die ausgezeichnet werden, können stolz sein. Sie haben sich gegenüber 700 anderen Bewerbern durchgesetzt. Bei der diesjährigen Preisverleihung am Montag in Dresden erhält der Tagesspiegel einen Sonderpreis in der Kategorie Alltag für die Rubrik „Fünf Minuten Stadt“. Die Rubrik erscheint in jeder Samstagsausgabe dieser Zeitung auf den „Mehr Berlin“-Seiten. Es ist das sechste Mal, dass der Tagesspiegel die begehrte Auszeichnung erhält.

Für den Juryvorsitzenden Dieter Golombek (73) ist es das letzte Mal, dass er die Preise vergibt. Der „Mister Lokaljournalismus“ wird nach 34 Jahren als Jurysprecher verabschiedet. Ihm folgt Heike Groll, die in der Chefredaktion der „Volksstimme Magdeburg“ arbeitet. „Die Trauben für diesen Preis hängen sehr hoch“, sagt Dieter Golombek. In die Auswahl kommen nur Zeitungen, die bürgernahe Konzepte vorweisen, schwierige Themen aufgreifen, sich zum Anwalt der Leser machen, Aktionen starten, den Dialog mit den Lesern suchen oder sich durch engagierten Service auszeichnen.

„Meine Bedingung war, dass journalistische Qualität ausgezeichnet wird und sonst nichts“, so Golombek. Vor allem nicht die Gesinnung einer Partei, wie anfangs viele Kollegen argwöhnten. Schließlich wurde der Preis von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung ausgeschrieben. Als die ersten Preisträger bekannt wurden, waren diese Zweifel ausgeräumt. Die Arbeiten waren engagiert und kritisch. Manchen zu kritisch. Golombek erinnert sich an entrüstete CDU-Provinzfunktionäre, die nicht verstanden, wie „ihre“ Stiftung eine Redaktion auszeichnete, deren Arbeit sie gar nicht schätzten.

Fünfte Rad am Wagen

Als Golombek den Preis ins Leben rief, galten Lokaljournalisten als unterste Kaste. Neben den Kollegen im Politik-Ressort, Wirtschaft oder Feuilleton waren sie das fünfte Rad am Wagen. Dagegen wollte Golombek ein Zeichen setzen. „Der Preis sollte zeigen, zu welchen Höchstleistungen Lokaljournalisten in der Lage sind.“

Die Geschichte des Preises ist auch ein Abbild der Themen, die in den vergangenen drei Jahrzehnten die Menschen bewegt haben. Die Redaktionen schrieben Serien über Umweltschutz, Stadtentwicklung und Ausländer, beschäftigten sich mit Arbeitslosigkeit und demografischem Wandel, Gesundheit und Bildung, Behördendschungel und Wohnungsnot. Sie arbeiteten historische Themen auf, von den Gräueln der Nazizeit bis zur Diktatur in der DDR. Die preisgekrönten Arbeiten sind nahe an den Menschen und machen Lust auf Lesen.

Golombek kennt allerdings auch die andere Seite: „Es gab und gibt viel journalistisches Elend. So mancher eingereichte Artikel wäre besser gar nicht gedruckt worden.“ Daran habe sich in den letzten 30 Jahren nichts geändert. Was sich aber geändert hat, sei das Bewusstsein in vielen Medienhäusern. „Es gibt immer mehr Chefredakteure, die konzeptionell denken“. Genau das sei der Weg, der die Zeitungen unverzichtbar mache.

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