Medien : Mehr Gewinn und weniger nackte Haut

Das DSF wechselt die Geschäftsführung aus und will künftig wieder mehr auf Sport setzen

Simon Feldmer

Beim Deutschen Sportfernsehen (DSF) ist viel von Rekorden die Rede: ein Rekordergebnis im Geschäftsjahr 2006 von 11,5 Millionen Euro, so viel Livesport wie nie, Rekordquoten mit Übertragungen der Champions-League. Die Chefstrategen des Spartenkanals vermittelten gestern in München vor allem eine Botschaft: Der Sportsender, 1993 von Leo Kirch gegründet und zehn Jahre lang Millionengrab seiner Kirch-Gruppe, steht bestens trainiert da. Seit fast vier Jahren gehört das DSF zur Medien-AG EM.TV. Das Sanierungsduo Rainer Hüther und Thomas Deissenberger sieht seine Aufgabe nun als beendet an. „Wir wollen hier nicht in Rente gehen“, sagte Hüther, der als Sport-Vorstand bei EM.TV bleibt. Deissenberger, einst Berater von Boris Becker, will sich bald zu seinem neuen Job in der TV-Landschaft äußern.

Zum 31. März übernimmt der 36-jährige Oliver Reichert. Reichert, zuletzt DSF-Programmchef, will den Marktanteil (ein Prozent in 2006) und die zweistellige Umsatzrendite ausbauen. Und das mit mehr Sport als früher. 2007 sind die Programmblüten die Handball-Bundesliga, Formel 1 (Training und Qualifying-Ausschnitte), die Basketball-EM, der UEFA-Cup und weiterhin Bundesliga und Champions-League. Während sich das DSF über Livebilder aus der Champions-League freut, die dem Sender dank einer Kooperation mit Premiere bis zu 5,5 Millionen Zuschauer bescheren, entwickelt sich der Bundesliga-Sonntag immer mehr zum Problem. Nicht mehr wie früher um 19 Uhr, sondern erst ab 22 Uhr darf das DSF in dieser Saison die Spiele der ersten Liga zeigen. „Leider haben sich die Zuschauerzahlen halbiert“, berichtete Reichert. Quasi als Ausgleich zeigt das DSF das diesjährige Champions-League-Finale am 23. Mai live aus Athen, wenn – alles andere wäre eine große Überraschung – kein deutscher Club dort mitspielen darf.

Reicherts Sport-Mantra soll auch Sünden aus der Vergangenheit überdecken. Denn zu 43 Prozent verdient der Sportkanal sein Geld mittlerweile mit „T-Commerce“ im Stil des Mitmachsenders Neun Live. „Wir haben es hier in der Vergangenheit ein wenig übertrieben“, gab der scheidende Chef Hüther zu. Künftig sollen die peinlichen, aber rentablen Quizshows mit halbnackten Moderatorinnen-Darstellerinnen nur noch außerhalb der Primetime laufen.

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