Medien : Mehr Klubs = mehr Geld?

Nach der Kirch-Pleite sucht die Bundesliga neue Modelle zur TV-Verwertung

Joachim Huber,Michael Rosentritt

Die Fernsehsender könnten jetzt laut triumphieren. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) trennt sich vom aggressiven Vermarktungsmodell der Kirch-Firma Sirius Sport Media für die Bundesliga inklusive der garantierten Erlöse von 500 Millionen Euro von der Saison 2009/2010 an. In der laufenden Spielzeit zahlen alle Verwerter zusammen 409 Millionen Euro an die Liga. Bei diesem Status quo soll es nach dem Willen der Profiklubs bleiben, was schwierig genug ist. Der neue Realismus der DFL zeigt sich auch an der Tatsache, dass das Mittwoch eingereichte Vermarktungsszenario der Agentur SportFive mit der Garantiesumme von 420 Millionen Euro verworfen wurde.

Die Ablehnung des Kirch-DFL-Modells durch das Kartellamt immer vor Augen nimmt die DFL die Ausschreibung der Medienrechte für die drei Saisons 2009/2010 bis 2011/2012 jetzt selbst in die Hand. Der Start der Ausschreibung werde voraussichtlich Ende Oktober stattfinden, teilte Sprecher Christian Pfennig mit. Liga-Präsident Reinhard Rauball versuchte die Vereine mit der Aussage zu beruhigen, die Option der Eigenvermarktung sei wie 2005 zeitgerecht möglich und durch die jetzt rasche Vermarktung die Finanzierung der Saison 2009/2010 rechtzeitig gesichert.

Mit dem Scheitern des Kirch-Deals scheinen die Gewichte zwischen dem Rechteanbieter und den Rechteverwertern ausbalanciert. Entsprechend werfen alle Wattebäuschchen. Der Pay-TV-Sender Premiere, aktuell mit 205 Millionen Euro der größte Einzelfinanzier des Profifußballs, sagt via Sprecher Thorsten Fricke: „Wir begrüßen die Entscheidung des Ligavorstandes, die Klarheit in den nachfolgenden Ausschreibungsprozess und einen zügigen Prozess der Rechtevergabe bringt.“ Premiere freue sich auf eine Fortsetzung der erfolgreichen Partnerschaft mit der DFL. ARD-Programmdirektor Günter Struve säuselt, das Erste werde die Liga nicht „abtropfen“ lassen.

Die Schalmeienklänge der Verwerter sind verständlich, die künftigen Preise für die Bundesliga werden weder für den Verwerter der Live-Spiele, den Pay-TVSender Premiere, noch für den Erstverwerter im Free-TV, die ARD-„Sportschau“, steigen können. Zudem es unklug wäre, die angeschlagene DFL zu demütigen: Nach dieser Ausschreibung ist nur vor der nächsten Ausschreibung. Und da kann sich die Lage für die Verwerter längst wieder gedreht haben.

409 Millionen Euro für eine Bundesliga-Saison – ist das eine realistische Vorstellung? Wenn die DFL diese Summe vom Markt erwartet, wird sie dem Markt einiges geben müssen. Derzeit befassen sich die Vertreter der Profivereine mit Themen, die die fehlenden TV-Gelder ersetzen könnten. So schließt der Ligavorstand eine Änderung des vorgesehenen Spielplans nun nicht mehr aus. Ursprünglich sollte es zu Beginn der kommenden Saison ein Freitag-Spiel, fünf Samstag-Spiele und drei Duelle am Sonntag geben. Jetzt sind wieder neue Modelle denkbar, heißt es aus DFL-Kreisen. Als sicher gilt, dass die Winterpause von der kommenden Saison an von jetzt sieben auf vier Wochen verkürzt wird. In dieser Saison zieht sie sich vom 14. Dezember bis zum 30. Januar.

Durch eine Verkürzung der Winterpause würde sich mehr Flexibilität für den Spielplan ergeben. Derzeit laufen Gespräche, ob die Bundesliga und die Zweite Liga jeweils um zwei Vereine auf jeweils 20 Vereine aufgestockt werden sollen. Zudem geht es darum, ob und in welcher Form der Ligapokal wieder eingeführt wird. Eine Aufstockung der ersten beiden Ligen könnte frühestens ab Sommer 2010 umgesetzt werden.

Der FC Bayern München ist strikt gegen ein Mehr an Bundesliga-Mitspielern. Der deutsche Rekordmeister möchte die im Winter gewonnene Zeit anderweitig nutzen, etwa die Auslandsvermarktung in Eigenregie vorantreiben. Klubs, die in aller Regelmäßigkeit in internationalen Klubwettbewerben vertreten sind und mehrheitlich Nationalspieler stellen, sind gegen eine Aufstockung. Der wirtschaftliche Anreiz würde sich für diese Vereine ohnehin im Rahmen halten. Schließlich müssten die Einnahmen aus der Zentralvermarktung dann durch 20 statt wie bisher 18 geteilt werden. Nur Klubs der unteren Bundesligahälfte und jene aus der Zweiten Liga sprechen sich für eine Anhebung aus, da sie so zwei Heimspiele mehr hätten. Allerdings auch die Aufwendungen für zwei weitere Auswärtsspiele.

Einen großen Verlierer hat das Hin und Her dieser Ausschreibung auf jeden Fall produziert: Leo Kirch. Das Comeback des Medienmoguls in Sachen Fußball-Rechtehandel ist gescheitert. Kirch kam, sah – und verlor.

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