Medien : Mehr kostenlose Gespräche

Gemeinsam stärker: Immer mehr Internet-Provider schalten ihre Telefonie-Netze zusammen

Kurt Sagatz

Telefonieren über das Internet ist weder kompliziert noch unkomfortabel. Weder muss der Computer immer eingeschaltet sein noch muss man sich zum Telefonieren mit dem Headset vor den PC setzen. Die richtige Technik vorausgesetzt, reicht das normale Telefon, um den größten Vorteil der Internet-Telefonie auszuspielen: Kostenlose Gespräche zu anderen Nutzern dieser Technik. Die Chancen dafür werden immer besser, denn die Anbieter von Internet-Telefonie schließen ihre Netze zunehmend zusammen. In diesem Beitrag erfahren Sie, welche Anbieter geeignet sind und worauf Sie bei der Technik achten müssen.

FÜR WEN LOHNT SICH DAS TELEFONIEREN ÜBER DAS INTERNET?

„Profitieren können vor allem Vieltelefonierer“, sagt „c’t“-Redakteur Urs Mansmann. Auch bei Fern- und Auslandsgesprächen kann die Internet-Telefonie eine Alternative sein, wenn man nicht jedesmal die günstigste Call-by-Call-Nummer heraussuchen möchte. Vor allem tagsüber unter der Woche ist die Internet-Telefonie günstiger. Gespräche zu Sondernummer und in die Mobilfunknetze sind dagegen oft teurer. Kostenlos sind die Gespräche nur mit anderen Internet-Telefonierern, und auch nur dann, wenn sie im gleichen Netz oder dem Netz eines Partners unterwegs sind.

WELCHE VORAUSSETZUNGEN MÜSSEN ERFÜLLT SEIN?

Ohne Computer und einen geeigneten DSL-Tarif per DSL ist Internet-Telefonie kaum sinnvoll. Eine Wählbox (siehe Kasten) vorausgesetzt, wird der Computer zum Konfigurieren der Anlage benötigt. Beim DSL-Tarif sollte es sich um eine Flatrate oder einen hinreichend großen Volumentarif handeln. Ansonsten entstehen zusätzliche Kosten. Wer sich über Modem oder ISDN ins Internet einwählt, kann zwar auch per Internet telefonieren, durch die Abrechnung im Minutentakt ist dies aber nur in Ausnahmefällen (Auslandsgespräche zu Internet-Telefonen) günstiger als ein By-Call-Telefonanruf.

WAS WIRD SONST NOCH BENÖTIGT?

Neben Computer und DSL-Tarif wird für das komfortable Internet-Telefonieren mit einem herkömmlichen Telefon eine Wählbox sowie ein Konto (so genannter SIP-Zugang) bei einem Anbieter von Internet-Telefonie benötigt. In den meisten Fällen ist die Anmeldung kostenlos, einige Anbieter verlangen jedoch eine feste monatliche Grundgebühr. Eine Flatrate für die Internet-Telefonie ins Festnetz lohnt sich nur in Ausnahmefällen.

KANN MAN DIE ALTE TELEFONNUMMER BEHALTEN?

Einige Wählboxen wie die AVM Fritz!Box Fon verwalten neben der Internet-Telefonie auch den normalen Telefonanschluss. Man bleibt damit auch unter der alten Nummer erreichbar, erhält aber zusätzlich eine weitere Telefonnummer für die Internet-Telefonie, die automatisch von der Wählbox mitverwaltet wird. Wichtig für ISDN-Kunden: Über Wählboxen wie die AVM Fritz!Box Fon können auch mehrere Telefone mit unterschiedlichen Nummern genutzt werden. Über Wählregeln wird festgelegt, in welchen Fällen es günstiger ist, über das Internet oder eben doch das Festnetz zu telefonieren.

KANN MAN WÄHREND DES TELEFONIERENS IM INTERNET SURFEN?

Ja, die Bandbreite eines DSL-Anschlusses reicht aus, um zeitgleich mit zwei Telefonen zu telefonieren und im Internet zu surfen. Allerdings kann ein großvolumiger Download die Sprachqualität etwas beeinträchtigen. Zudem gilt: Auch wenn man im Normalbetrieb gar nicht mehr feststellt, ob man über Festnetz oder Internet telefoniert, so ist die Technik doch erheblich komplizierter. Dies kann – wie bei den Internet-Zugängen insgesamt – immer mal wieder zu Ausfällen führen, warnt der Experte von der „c’t“.

WIE WICHTIG SIND DIE KOOPERATIONEN DER INTERNET-TELEFONIE-ANBIETER?

Anrufe zu anderen Kunden des gleichen Anbieters von Internet-Telefonie eines Anbieters sind immer kostenlos. Einige Provider haben inzwischen ihre Netze zusammengeschlossen, so dass man nun auch zu den Kunden der Providerpartner kostenlos telefonieren kann. Zu sechs Partnernetzen kann man von Web.de aus kostenlos telefonieren. Puretel bringt es auf vier Partnernetze. Von Bellshare, Dus.net, Freenet, Sipgate kann zu drei Partnernetzen ohne Kosten telefoniert werden. 1&1, GMX, Nikotel, Sipphone und Strato haben einen Partner. Genauso wichtig wie die Kooperationspartner ist aber auch die Zahl der eigenen Nutzer, darum bleiben Provider wie AOL (keine Kooperationen) ebenfalls interessant, vor allem bei Gesprächen in die USA.

KANN MAN GANZ AUF DEN HERKÖMMLICHEN TELEFONANSCHLUSS VERZICHTEN?

Aus zwei Gründen nicht: Zum einen ist der DSL-Anschluss derzeit in den meisten Fällen noch an einen Telefonanschluss gekoppelt. Zum anderen funktionieren noch nicht bei allen Anbieter von Internet-Telefonie die Notrufnummern zu Polizei und Feuerwehr.

EINIGE DSL-TARIFE WERDEN ZUSAMMEN MIT HARDWARE FÜR INTERNET-TELEFONIE ANGEBOTEN. IST DAS SINNVOLL?

Bundling-Angebote von preiswerter oder sogar kostenloser Hardware zusammen mit einem DSL-Tarif einschließlich Internet-Telefonie sollten gut durchgerechnet sein, sonst wird es am Ende teuer. Häufig ist die Trennung von DSL-Tarif und Internet-Telefonie-Konto sinnvoller, so Mansmann.

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