Medien : Mehr Leben in der „Zeit“

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Ben Witters Spaziergänge mit Prominenten waren einst eines der Markenzeichen der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“. Anderthalb Jahre nach Witters Tod soll diese Form des Gesprächs, der Annäherung an bekannte Zeitgenossen, wiederbelebt werden. Darum kümmern werden sich die „Zeit“Redakteure Stephan Lebert, Hanns-Bruno Kammertöns (Leiter „Dossier“) sowie der diesjährige Kisch- Preisträger Stefan Willecke.

Eine abwechslungsreichere Mischung und gute Schreiber, die die Sachkenntnis der Redaktion bereichern sollen, sind zwei weitere Wünsche von Giovanni di Lorenzo, der seit August vergangenen Jahres neben seiner Tätigkeit als Herausgeber des Tagesspiegel Chefredakteur der „Zeit“ ist. So werden neben Wolfgang Büscher (bisher „Welt“, künftig „Dossier“-Autor) im Januar 2006 Andrea Böhme (bisher „Geo“) und im August dieses Jahres Patrik Schwarz, Innenpolitik-Chef der „taz“, nach Hamburg wechseln. Neuer Autor im Berliner Büro wird Jakob Augstein.

Während die „Zeit“ ihren „Länderspiegel“ wieder einführen wird, schafft sie die Sportseite ab. Mehr Abwechslung der journalistischen Formen verspricht der Umbau des Ressorts „Leben“. Durchbrochen werden soll das Prinzip, dass ein Artikel eine ganze Seite füllt. Neue Elemente wie „Nachgefragt“, das „Bild der Woche“ und die „Hysterie der Woche“ auf der letzten Seite des Politikteils dienen ebenfalls dazu, die Zeitung aufzulockern.

Fortgeführt werden die Nebenaktivitäten des Verlags. Nach den beiden vierteljährlich erscheinenden Magazinen „Zeit Wissen“ und „Zeit Geschichte“ erwägt der Verlag eine weitere Lexikonreihe.

Seit drei Jahren gewinnt die „Zeit“ kontinuierlich jedes Quartal Auflage hinzu. Aktuell verkauft sie 465030 Exemplare, davon 126200 im Einzelverkauf und 281000 im Abonnement, wobei nach Angaben des Verlags die 20- bis 30-Jährigen die größte Gruppe unter den Neu-Abonnenten bilden. Dazu tragen nicht zuletzt Aktionen bei wie der kürzlich erschienene „Zeit“-Studienführer. Auch bei den Anzeigenseiten verzeichnet die „Zeit“ einen Anstieg. Mehr als 90 Millionen Umsatz erwirtschaftete der wie der Tagesspiegel zu Holtzbrinck gehörende Zeit-Verlag im vergangenen Jahr. 50 Prozent davon stammen aus dem Vertrieb, 40 Prozent aus dem Anzeigengeschäft. usi

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