Medien : Mehr Luxus!

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Tom Peuckert verrät, was

Sie nicht verpassen sollten

Vor zwei Jahren starb Giuseppe Sinopoli in Berlin. Während einer AidaAufführung brach er am Pult der Deutschen Oper zusammen. Er wollte an diesem Abend zu Ehren des toten Götz Friedrich dirigieren, aber es wurde ein Requiem in eigener Sache. Ein Abschied von der Bühne, wie er dramatischer, opernhafter kaum gedacht werden kann. Sinopoli war geborener Venezianer. Am berühmten Teatro La Fenice seiner Heimatstadt hat er unter anderem Wagners „Parsifal“ dirigiert. Es gibt einen Text von seiner Hand, der über diese Arbeit berichtet. Sinopoli erzählt, wie er nach einer Probe das Theater verlässt, einen gedankenschweren Spaziergang durch laue Frühlingsluft beginnt und sich dabei immer tiefer im Gewirr der venezianischen Gassen und Kanäle verirrt. Er sinniert über die Labyrinthe der Wagnerschen Musikphilosophie, die der labyrinthischen Architektur seiner Stadt sehr ähnlich scheinen. Zwei kulturelle Symbole – die Gralssage und der Kultort Venedig – werden in den Reflexionen lebendig. „Parsifal in Vene d ig“ heißt die Hörspielfassung des Textes von Sinopoli (Deutschlandfunk, 24. Mai, 20 Uhr 05, UKW 97,7 MHz).

Ob Hans Magnus Enzensberger während ausgedehnter Spaziergänge philosophiert oder lieber daheim vorm glimmenden Laptop, wissen seine künftigen Biografen. Jedenfalls hat der Schriftsteller unlängst über das Wesen des Luxus nachgedacht. Sein Radioessay „Der Affekt gegen alles, was Luxus heißt“ interpretiert das Phänomen als Grundbedürfnis der menschlichen Existenz. In allen Epochen hat der Mensch über das nur Lebensnotwendige hinaus begehrt. Luxus ist weder Mode noch Dekadenz. Wie der Titel bereits verrät, knöpft sich der Polemiker Enzensberger auch all jene vor, die unsere Luxusbedürfnisse vorschnell der Verachtung preisgeben wollen (SWR 2, 29. Mai, 10 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz).

Es gab Zeiten, da wusste die deutsche Küche nichts vom kulinarischen Luxus. Man lebte mit regionaler Hausmannskost. Aber die Sache war weniger harmlos, als sie jetzt vielleicht klingen mag. Was da mitunter gegessen wurde, erzählt Walter Filz in seinem amüsanten Feature „Hausmannkost EXTREM“ . Wir hören von Blutpfannekuchen und Lungengulasch, Pferdebraten und Schafsaugen. Dinge, die unsere überzivilisierten Geschmacksnerven schon beim bloßen Hören in Aufruhr versetzen (Deutschlandfunk, 25. Mai, 20 Uhr 05).

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