Medien : Mehr Spaß am Spiel

Studie internationaler Fernsehtrends zeigt: Gameshows und Sitcoms kommen zurück – die Nannys gehen

Fabian Grabowsky

Bald hat es sich ausgecoacht im deutschen Fernsehen. Wer seinem Kind „Danke“ und „Bitte“ von einer TV-Nanny beibringen lassen will oder vom Ratgeber erfahren will, wie er sein Haus baut, muss sich beeilen. Das prognostizieren zumindest die Medienberatung Goldmedia und das Pariser Forschungsinstitut Médiamétrie. Beide stellten am Mittwoch in Berlin die Studie „International TV Trends“ vor. Sie zählten darin die Neustarts dieses Herbstes in neun Ländern – sieben europäischen, Australien und den USA – und machen auf dieser Basis Prognosen für das Programm des kommenden Jahres.

Der Coaching-Boom ebbt demnach in den meisten Ländern ab. Zwar seien die meisten Nanny-Sendungen jetzt noch erfolgreich, 2006 aber wohl nicht mehr: „Je mehr Coaches, desto langweiliger – es ist alles verbessert worden“, sagte Franck Si-Hassen von Médiamétrie. Auch andere Reality-Formate wollten die Zuschauer immer weniger sehen.

Die meisten Quoten machten hingegen immer noch fiktionale Formate. Gewinner der Herbstsaison seien besonders „Police Procedurals“ gewesen, also Serien à la „CSI“ und „Criminal Intent“, in denen Kriminalspezialisten mit viel Technik Mordfälle lösen. In den USA sind die Forensiker von „Bones“ und die Profiler von „Criminal Minds“ sehr erfolgreich.

Und zwei alte Bekannte kämen wieder, prognostizierte Si-Hassen. Doppelt so viele Gameshows wie im Vorjahr habe sein Institut gezählt. Oft würden dabei bekannte, aber seit langem abgesetzte Shows wiederbelebt: „Die Macher spielen hier mit der Erinnerung der Zuschauer.“ In Großbritannien sei „Ant & Dec’s Gameshow Marathon“ der Herbst-Quotenhit gewesen. Hier traten B-Prominente wöchentlich in jeweils einer alten Gameshow gegeneinander an. Diesen „Marathon“ starten wohl bald auch US-Sender. Die zweite Renaissance: Sitcoms kommen wieder. Serien wie „My Name ist Earl“ seien in den USA sehr beliebt. Das habe ihn auch selbst überrascht – noch vor einem Jahr habe er das Genre für „halb tot“ gehalten.

Si-Hassen sagte, er sei überzeugt, dass die neuen „Procedurals“, Gameshows und Sitcoms schnell nach Deutschland kommen. Früher habe es lange gedauert, bis die deutschen Sender internationalen Trends gefolgt seien. Das sei heute anders: „Deutschland ist viel schneller geworden.“

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