• Mehrere Interessenten für die „FTD“ „Spiegel“-Geschäftsführer scheitert mit Kaufabsicht

Medien : Mehrere Interessenten für die „FTD“ „Spiegel“-Geschäftsführer scheitert mit Kaufabsicht

Sonja Pohlmann

Die Mitarbeiter KG des Spiegel-Verlags hat sich entschieden: Die „Financial Times Deutschland“ (FTD) wird künftig nicht zu ihrem Portfolio gehören. Die Mitarbeitervertreter sahen es als zu riskant an, mit 50 Prozent bei der defizitären Wirtschaftszeitung einzusteigen – im Gegensatz zu „Spiegel“-Geschäftsführer Mario Frank, der die Chancen höher bewertete als das Risiko, heißt es im Haus an der Brandstwiete. Frank hatte sich vom „FTD“-Einstieg vor allem Synergieeffekte im Online-Bereich versprochen. Doch weil die Mitarbeiter KG 50,5 Prozent am Spiegel-Verlag besitzt, konnte sie sich gegen die Pläne des Geschäftsführers durchsetzen. Dabei sollte die „FTD“-Beteiligung der erste große Coup Franks werden, der erst seit Anfang 2007 im Amt ist. Aus „Spiegel“-Kreisen heißt es, dass er vielleicht zu schnell zu viel gewollt habe. Allerdings stehe die Mitarbeiter KG weiter hinter ihm.

Doch auch nach der Absage des „Spiegel“ muss sich die britische Mediengruppe Pearson anscheinend nicht darum sorgen, einen anderen Käufer für ihre „FTD“-Beteiligung von 50 Prozent zu finden. Mehrere Medienhäuser würden sich für das Wirtschaftsblatt interessieren, heißt es in Branchenkreisen. Kein Wunder: Die „FTD“ ist eine anerkannte überregionale Zeitung und als Marke im Markt fest etabliert. Die Gelegenheit, sich ein solches Blatt so günstig ins Haus zu holen, wird es für Verlage künftig kaum mehr geben. Während die „Süddeutsche Zeitung“ für etwa eine Milliarde Euro verkauft werden soll, wird der Preis für 50 Prozent „FTD“ auf zirka neun Millionen Euro geschätzt. Ein Schnäppchen, das auf den tiefroten Zahlen der „FTD“ gründet. Dieses Jahr soll sich ihr Verlust auf acht Millionen Euro belaufen.

Wer die „FTD“ kaufen will, muss sich allerdings auch mit dem Hamburger Verlag Gruner und Jahr („Brigitte“, „Stern“) verstehen. Der besitzt die anderen 50 Prozent – und plant, weiterhin Miteigentümer der „FTD“ zu bleiben. Die Zeitung komplett zu übernehmen, scheint für Gruner und Jahr zurzeit eher eine Notlösung zu sein. Sonja Pohlmann

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