Medien : Meier oder Medlock?

Deutschland sucht den Unterschied: Topmodel und Superstar, Bruce und Bohlen

Yoko Anna Rückerl

„Germany’s next Topmodel“ ist gewählt, das „bayrische Rapunzel“ Barbara wurde am Donnerstag beim Finale der Pro 7-Show zur Siegerin erklärt. Doch der Casting-Kampf geht weiter. Ob nun ein „Topmodel“ oder ein „Superstar“ gesucht wird, Fortsetzungen folgen. „Es wird definitiv 2008 eine dritte Staffel von Germany’s next Topmodel geben“, sagte Pro-7-Sprecherin Iabel Schaffert. So wird es nicht lange dauern, bis sich wieder mehrere tausend Mädchen aufmachen, um bei Heidi Klums Model-Ringelreihen dabei zu sein. Ob die Jury-Besetzung mit Visagist Boris Entrup, Model-Agent Peyman Amin und Catwalk-Coach Bruce Darnell dieselbe bleiben werde, könne man noch nicht sagen. „Aber Heidi Klum ist natürlich sicher dabei.“ Bis zu 5,2 Millionen Zuschauer schalteten „Germany’s next Topmodel“ ein, das ist ein Marktanteil von 20,8 Prozent in der Werbezielgruppe der 14- bis 49-Jährigen. Das Finale am Donnerstag sahen sogar 5,88 Millionen Zuschauer, das sind mehr als beim Showdown von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS). Auch die RTL-Castingshow geht weiter. „Ja, es wird eine nächste Staffel geben“, sagte RTL- Sprecherin Mandy Ballerstedt.

Wie unterschiedlich die beiden polarisierenden Figuren der beiden Casting-Shows sind! Weiter auseinander liegen als Bruce Darnell und Dieter Bohlen kann man gar nicht. Beim „ Topmodel“ ist Bruce Darnell der heimliche Star. Der stets perfekt gekleidete Amerikaner, früher selbst Model, zeigt seinen „Babys“, wie sie sich auf dem Laufsteg bewegen sollen. Seine „Denglisch“-Sprüche „Das ist der Wahrheit“ oder „Der Handetasche muss lebendig sein“ sind genauso Kult wie seine tränenreichen Gefühlsausbrüche, sobald eine seiner Lieblingskandidatinnen gehen muss. Bruce Darnell ist der Mann des Dramas, der Meister der Emotion. Er steht für Sensibilität, auch wenn daran gezweifelt wird, ob die immer echt ist.

Der selbsternannte „Poptitan“ Dieter Bohlen dagegen fällt bei „Deutschland sucht den Superstar“ vor allem durch Macho- und Pöbelsprüche auf. „Damit kannst Du Kakerlaken ins Koma singen“ oder „Dich haben sie bei der Mülltrennung auf den falschen Haufen gelegt“, müssen sich „DSDS“–Kandidaten anhören. Seine Meinung hält er für unanfechtbar, äußert sich ein Jury-Mitglied negativ über einen seiner Favoriten, wird Bohlen ausfällig. Hauptsache austeilen.

Das Einzige, was Darnell und Bohlen verbindet, ist die Kompetenz in ihren Jobs. Darnell kann denken wie ein Model, also kann er sie trainieren, Bohlen hat das Hit-Gen, also macht er Chart-Stars.

So wie den „DSDS“-Gewinner Mark Medlock, der mit dem von Bohlen produzierten Titel „Now or Never“ gerade DJ Ötzi vom ersten Platz der deutschen Single-Charts verdrängt hat. Der 28-Jährige aus Offenbach polarisiert und provoziert genauso wie sein Mentor Bohlen. Medlocks Gossensprache ging vielen auf die Nerven. Dass er RTL-„Superstar“ wurde, fand er „zum Abspritzen geil“, überhaupt fand der zappelige Altenpfleger immer irgendetwas „krass“ oder „geil“. Mark Medlock – schwul, arbeitslos, verschuldet. Nicht gerade ein herkömmlicher „Superstar“-Typ. Aber ein bestimmtes Charisma hat er wohl doch, die „geile“ Stimme sowieso. Denn Zuschauer riefen für ihn an, 78,2 Prozent stimmten für ihn. Der ultrabrave Konkurrent Martin Stosch hatte im Finale keine Chance.

Auch Barbara Meier, „Germany’s next Topmodel“, ist nicht gerade das typische Model. Die 20-Jährige war bisher eine schüchterne Mathematikstudentin mit Einser-Abitur aus dem heimeligen Amberg in der Oberpfalz. Glamour, Sex-Appeal und Selbstbewusstsein fehlten Barbara im Gegensatz zu Konkurrentin Hana völlig. In ihrer Zurückgenommenheit fiel sie auf, eigenwillig, subtil. Es gibt zudem kaum ein rothaariges Mädchen an der Spitze der internationalen TopmodelRiege. Beim „Cosmopolitan“-Shooting sagte die Chefredakteurin Petra Gessulat, dass es rothaarige Models schwieriger hätten, auf ein Cover zu kommen. Mit einem Rotschopf würden viele Frauen Zickigkeit assoziieren. Doch genau das ist Barbara nicht. Sie war die Einzige, die sich kaum an den Streitereien der anderen Model-Anwärterinnen beteiligte, Barbara war immer lieb. Und die Jury wählte sie zur Siegerin.

Ob Mark oder Barbara, bei beiden hat das Publikum anfangs nicht auf Sieg gesetzt. Beide sind Persönlichkeiten, an denen man sich reiben kann. Entweder man mag sie oder man kann nichts mit ihnen anfangen. Bei Mark war es wohl seine Authentizität, die seine Fans davon überzeugte, ihn zum „DSDS“-Sieger zu wählen. Bei Barbara hat die Jury Potenzial erkannt, sie kann sich wandeln, verwandeln. Das ahnt, wer sie während eines Fotoshooting lachen sieht, wenn sie sich unbeobachtet fühlt. Und was ihre Feuermähne betrifft, die ist, um es mit Mark Medlocks Worten zu beschreiben: „Der Hammer.“

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