Medien : Mein Kühlschrank und ich

Axel Hackes Kolumnen „Das Beste aus meinem Leben“ werden in München als Vorabendserie verfilmt

Katrin Hillgruber

„Werden wir alle von kleinen Buben zur Arbeit geführt? Ist es angebracht, dass ich morgens vorm Schreiben die Nationalhymne singe?“: Diese ungeahnt patriotischen Fragen stellte sich der Autor Axel Hacke vor einigen Tagen in seiner Fußball-WM-Nachlese. Sie würden auch gut zu dem Journalisten und Familienvater Max Miller passen, der von seinen Artikeln grundsätzlich keine Sicherheitskopien macht, sondern bei Streitgesprächen mit der vollen Kaffeetasse über der Computertastatur gestikuliert – bis es kurz vor Redaktionsschluss leise zischt und sich der Bildschirm verdunkelt. „Eine flinke Feder wie Sie schafft das doch!“, ruft ihm sein Chef Roger M. Braun (mit despotischem Funkeln in den Augen: Michele Oliveri) eher drohend als aufmunternd zu, um ihn kurz darauf bei einem Nickerchen im Paternoster zu ertappen.

Unzählige „Streiflichter“, die berühmte Seite-1-Glosse der „Süddeutschen Zeitung“, soll sich Axel Hacke im Paternoster des Redaktionsgebäudes der „SZ“ in Münchens Sendlinger Straße ausgedacht haben, und das dürfte auch für seine höchst erfolgreiche Kolumne „Das Beste aus meinem Leben“ gelten. Ganz in der Nähe, im Städtischen Hochhaus in der Blumenstraße 28b, einem der ersten Hochhäuser Münchens aus dem Jahr 1929, sind nun die fiktiven „Münchner Nachrichten“ angesiedelt, in deren Aufzug der Journalist Max Miller gelegentlich einschläft. Dem Chefredakteur will er das als „mnemotechnische Übung“ verkaufen.

Als „Sechser im Lotto“ empfindet es Oliver Mommsen, Max Miller bei der Verfilmung von „Das Beste aus meinem Leben“ spielen zu können. Bei der Vorstellung der achtteiligen Serie auf dem Münchner Filmfest strahlte der als smarter Kommissar Stedefreund im Bremer „Tatort“ bekannt gewordene Schauspieler jedenfalls bis über beide Ohren. Als komödiantische Abwechslung zur realistisch-geraden Sichtweise der Krimireihe im Ersten genieße er es, durch die Turbulenzen der Hackeschen Visionen geschickt zu werden.

Für die hohe Schlagzahl der turbulenten Dialoge garantiert vor allem die temperamentvolle Paola, gespielt von Elena Uhlig, die ebenfalls zur Preview am vergangenen Sonntag kam. Als Tochter einer Deutschen und eines Griechen sorgt sie für die südländischen Momente im Leben des Ehepaares Miller – sei es bei der täglichen Diskussion darüber, wer den sehr lebendigen Sohn Luis vom Kinderhort abholt, ob die khakigrüne Bundeswehr-Unterhose endlich weggeworfen wird oder in welcher Farbe das Schlafzimmer zum x-ten Mal neu gestrichen werden soll: in beruhigendem Flieder oder neutralem Weiß?

In den Kolumnen trat Paola notgedrungen nur aus der Perspektive ihres liebenden Ehemanns in Erscheinung. In den acht 25-minütigen Episoden unter Federführung des Westdeutschen Rundfunks, die dann ab 24. November im ARD-Vorabendprogramm zu sehen sein werden, wächst Paolo dagegen eine eigene starke Position zu, die Max Miller gelegentlich zum Pantoffelhelden degradiert: „Ich werde gerade probeweise ein bisschen sauer.“ Der in der Vorlage fünfjährige Luis wird mit altersgerechtem Trotz und Sinn für Situationskomik von dem nur wenig älteren Sandro Janotta dargestellt. Er weiß sehr genau, wie er seinen etwas konfusen Filmvater um den Finger wickeln kann.

Die Haarfarbe, ein etwas ungelenker Charme und die markante Brille verbinden Oliver Mommsens wunderbare Kunstfigur Max Miller und ihren Schöpfer Axel Hacke. Mehr Parallelen zwischen Literatur und Wirklichkeit soll es aber nach Wunsch aller Beteiligten an diesem für das deutsche Fernsehen ungewöhnlich humoristisch-leichten und doch anspruchsvollen Projekt nicht geben, betont der Produzent Mario Krebs. Mit „britisch fein“ skizziert Petra Berndt, die als Millers Sekretärin dieser recht hochdeutschen Münchner Serie etwas Lokalkolorit verleiht, deren Charakter. Axel Hacke und seine Frau, die Filmautorin Ursula Mauder, hätten die konzeptionelle Entwicklung anfangs begleitet und sich dann auf die Drehbücher von Tobias Saalfeld, Andrea Kriegl und Peter Strotmann sowie auf die Regisseure Matthias Tiefenbacher und Ulrich Zrenner verlassen, so Mario Krebs.

Was aber ist so ziemlich das Beste an „Das Beste aus meinem Leben“, die ruhende Kraftquelle für Hackes/Millers chaotischen Alltag? Natürlich sein Freund Bosch. Der sprechende und tröstende, stets etwas melancholische Kühlschrank älterer Bauart kommt in der TV-Verfilmung gebührend zur Geltung. Hören kann ihn nur der Hausherr, in dessen Phantasie Freund Bosch immer mit Bier gefüllt ist; den Stuttgarter Konzern dürfte die häufige Nennung seines Namens freuen. Wie lautet ein aktueller Rat des weisen Elektrogeräts? „Immer die Kühlung konstant halten!“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben