Medien : Meine Vagina ist mein Witz

„The Sarah Silverman Program“ bei Comedy Central

Joachim Huber

Sitzt auf dem Klo und sagt: „Wer einer jüdischen Frau beim Pinkeln zusieht, der zweifelt am Holocaust.“ Drei Dinge gehen eigentlich gar nicht. Eine Jüdin auf dem Topf, ihr beim Urinieren zuzusehen und drittens an der Judenvernichtung zweifeln. Die Frau, die auf dem Klo etc, pp., heißt Sarah Silverman und ist eine 37-jährige US-Komikerin. Comedy Central startet heute ihre „The Sarah Silverman Program“, die im Februar 2007 auf dem US-Comedy-Central startete. Silverman ist selbst Jüdin, stammt aus einer liberalen Einwandererfamilie und verarbeitet die Depressionen ihrer Jugend. Das hat schon Woody Allen gemacht, freilich fern vom gnadenlosen Schocker-Humor .

Silverman ist als Sarah Silverman eine erschreckend einfache Fernsehfigur. Sie lebt in Valley Village an der Westküste, ist arbeitslos, lässt sich von Schwester Laura (auch im wirklichen Leben die Schwester von Sarah Silverman) aushalten, hat einen Hund, den sie aus dem Müll gezogen hat, und zwei Nachbarn. Brian und Steve, laut Sarah „riesig groß, orange und schwul“.

Das reicht? Das reicht. Sarah Silverman tut nicht mehr, als ihrer unmittelbaren Umgebung zu begegnen. Sie reißt Witze über Schwule, Schwarze, Juden, Behinderte, Obdachlose und LeukämiePatienten. Sie furzt gern, sie redet mit Engelslächen über Vaginas. Bei Licht betrachtet redet sie nur über Vaginas und Flatulenzen, wenn sie nicht mit Gott schläft, der ihr als Schwarzer begegnet.

Und das soll komisch sein? Man sollte sich an Borat erinnern, die Comedy-Figur von Sacha Baron Cohen. Borat in Amiland machte Sachen, die man in Amiland nicht macht. Zum Beispiel fragt man einen Autoverkäufer nicht, ob es ein Hummer-Geländewagen unbeschadet übersteht, wenn er in eine Gruppe Zigeuner fährt, oder man bringt Gastgebern nicht seine Kacke aus dem Klo mit.

Das tut man nicht, das tut frau nicht, es sei denn, es tun Borat und Sarah Silverman. Beide erinnern die Zuschauer an Tabus, von denen die Zuschauer gar nicht wussten, dass sie sie haben. Das sind Weckrufe postmodernen Fäkulhumors, liebe Leute. Was Silverman bei aller Arroganz und Rücksichtslosigkeit und Liebe zu Körperöffnungen von Borat unterscheidet? Die Silverman sieht besser aus, und sie singt besser. Übrigens, sie unterstützt Barack Obama. Joachim Huber

„The Sarah Silverman Program“, Comedy Central, 22 Uhr 30

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