"Meister des Todes" : TV-Anklage gegen Rüstungsexporte

Mit dem Film "Meister des Todes" und der Doku "Tödliche Exporte" macht die ARD mobil gegen den Verkauf von Sturmgewehren in Krisenregionen.

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Film mit Folgen? In „Meister des Todes“ wird eine Demonstrantin in Mexiko mit einem Sturmgewehr aus deutscher Produktion erschossen.
Film mit Folgen? In „Meister des Todes“ wird eine Demonstrantin in Mexiko mit einem Sturmgewehr aus deutscher Produktion...Foto: SWR

Eine Waffe, die angeblich bei Hitze schlappmacht: Das Sturmgewehr G36 der Firma Heckler & Koch (HK) bot eine Weile Anlass für Hohn und Spott. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen erklärte es jüngst zum Auslaufmodell bei der Bundeswehr. Die ARD widmet dem G36 nun eine Art Themenabend, bei dem allerdings nicht die Mängel des Gewehrs im Mittelpunkt stehen, sondern seine Funktionsfähigkeit. Denn in Wirklichkeit erfüllt das G36 durchaus seinen Zweck, leider auch dort, wo es nichts zu suchen hat, in Krisenregionen. Der Fernsehfilm „Meister des Todes“ und die anschließende Dokumentation „Tödliche Exporte“ erzählen von einem Fall, in dem seit 2010 auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt: das umstrittene HK-Geschäft mit Mexiko, wo insbesondere in den nördlichen Bundesstaaten unkontrollierte Gewalt herrscht und wo auch die Polizei rücksichtslos Schusswaffen einsetzt. Nicht nur gegen Drogenbanden, sondern auch gegen demonstrierende Studenten.

Der Film zeigt, wie die deutsche Exportkontrolle versagt hat

Daniel Harrich („Blinder Fleck“), Regisseur beider Filme, schildert, wie in diesem Fall deutsche Exportkontrolle versagt hat. Wie Manager und Politiker einen Weg auskungelten, um die Lieferung trotz der Bedenken des Auswärtigen Amtes doch noch möglich zu machen. Wie sich die Kontrolleure mit einer „Endverbleibserklärung“ abspeisen ließen. Sie besagte, dass das G36 nur in die vom Drogenkrieg weniger stark betroffenen Bundesstaaten geliefert werden soll. Nach Harrichs Recherchen ist das Gewehr jedoch längst auch in den Krisenregionen im Einsatz. Heckler & Koch habe sich ohnehin nicht an die Erklärung gehalten und die Waffe auch in einem Bundesstaat präsentiert, der eigentlich tabu sein sollte. Dies belege eine Dankesurkunde der örtlichen Polizei. Aus der Politik steht unter anderem Volker Kauder im Fokus von Harrichs Kritik. Heckler & Koch hat seinen Sitz im schwäbischen Wahlkreis des Vorsitzenden der Unions-Fraktion im Bundestag – und spendete fleißig.

Wirkung erzielen soll nicht zuletzt das auf Fakten beruhende fiktionale Drama. Namen und berufliche Positionen wurden allerdings „aufgrund laufender Ermittlungen“ verändert, heißt es im Vorspann. Harrich und Drehbuchautor Gert Heidenreich („Die andere Heimat“) erzählen in „Meister des Todes“ eine böse Familien- und Heimatgeschichte. Die „Familie“, das ist die Waffenschmiede HSW, in der Peter Zierler (Hanno Koffler) und Alex Stengele (Heiner Lauterbach) Karriere gemacht haben. Stengele ist der Vertriebschef, Zierler der Waffenexperte, der den Kunden das neue Sturmgewehr präsentiert. Beide verbindet eine Art Vater-Sohn-Verhältnis. Allerdings bekommt Zierler nach den Verkaufsreisen nach Mexiko Skrupel und will nun aussteigen aus der „Familie“. Das kommt in der schwäbischen Heimat gar nicht gut an. Die gutbürgerliche Fassade bröckelt, wenn einer aus der Reihe tanzt und sich gegen den wichtigsten Arbeitgeber wendet. Der Film beginnt mit Schüssen auf Zierlers Wohnhaus, ehe mittels Rückblende erzählt wird, wie das Mexiko-Geschäft eingefädelt und dreist über politische Hürden gehoben wurde.

Auch Mexiko ist ein wichtiger Schauplatz im Film, von Altmeister Gernot Roll („Heimat“) im krassen Gegensatz zur schwäbischen Provinz fotografiert: der Moloch Mexico-City, die Militärparaden, die Demonstration, bei der vor Zierlers Augen eine junge Frau mit einem G36-Gewehr erschossen wird. Die Konfrontation wirkt bedrückend realitätsnah, der Zynismus von Managern und Politikern erschreckend. „Endlich! In diesem Film geht’s um was: Illegale Waffenexporte aus Deutschlands Gemütlichkeit in die mörderische Wirklichkeit der Bandenkriege Mexikos. Der Film wird politische Folgen haben, wir freuen uns darauf“, wird Axel Milberg im Presseheft zitiert. Milberg spielt schön böse den HSW-Chef, der sich nicht zu fein ist, eine Tür einzutreten. Außerdem wirken noch Veronica Ferres, Herbert Knaup, Michael Roll und Udo Wachtveitl in dieser Anklage gegen Rüstungsexporte mit.

„Meister des Todes“; Mittwoch, 20 Uhr 15; „Tödliche Exporte – Wie das G36 nach Mexico kam“, 21 Uhr 45, beide ARD

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