Medien : Melancholie und Bigamie Der Film „Ein glücklicher Tag“ schafft beides

Barbara Sichtermann

Ein Mann wie ein Engel; ruhig, freundlich, musikliebend, geheimnisvoll.Er schenkt Eva (Eva Herzig) eine Konzertkarte, die die Zuspätkommerin nicht rechtzeitig abgeholt hat und die er nicht behalten will, als er sieht, wie enttäuscht Eva ist. So viel Güte kann nicht echt sein. Und in der Tat: Der rätselhafte George Bender (Sylvester Groth), der Evas Herz gewinnt, erweist sich als Doppelspieler. Es sieht nach Romanze und Ehe aus. Die Räume und Grenzen, die George und Eva trennen – er DDR-Bürger, sie Österreicherin – scheinen überwindbar. Kaum ist die Mauer gefallen und liegt das Glück so nah, setzt George sich nach Amerika ab. Er ist ein Mann, der nur lieben kann, wenn die Erfüllung weit weg ist.

Kein schlechtes Sujet für ein HerzSchmerz-Movie. Wenn man nur nicht das unabweisbare Gefühl hätte, das alles schon mal gesehen zu haben. Im Jahr 2000 machte Hermine Huntgeburths Film „Romeo“ von sich reden. Das mit Recht gefeierte Werk erzählt die Geschichte eines DDR-Agenten, der eine naive bayerische Sekretärin mit Zugang zu Staatsgeheimnissen betört und heiratet. Sylvester Groth spielt diesen vom DDR-Stasi-Komplex eingesetzten „Romeo“ mit derselben verführerischen Melancholie wie den George Bender. Er hat in „Romeo“ daheim eine „echte“ Ehefrau und ein „normales“ Leben. Bender heiratet in den Staaten die Frau seines Chefs, ohne jedoch die schöne Eva in Europa vergessen zu können. In beiden Filmen ist es die seltsam passive, verschlossene Manier des Schauspielers Sylvester Groth, die ihn zum Bigamisten qualifiziert, ist es der Appell seiner träumerischen Augen, der die Frauen verführt, diesen Engel aus seiner Einsamkeit befreien zu wollen.

Anders als „Romeo“ ist die Story des Films „Ein glücklicher Tag“ nicht schlüssig. Aber Menschen handeln ja manchmal unschlüssig, und George will nach der Grenzöffnung lieber die freie Welt kennen lernen als das Leben an der Seite Evas. Mit so einer Begründung könnte man die Geschichte retten. Hat man das getan, kann man sensibel rhythmisierte Dialoge bewundern, die etwas in den TV-Film zurückholen, was dort unbegreiflicherweise so oft ausgespart bleibt: Musikalität der Sprache.

„Ein glücklicher Tag“, 23 Uhr, ARD

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