Medien : „Mensch, Petra, mein Mäuschen“

Mit einer neuen Serie über Spielerfrauen vermutet RTL, dass die Wahrheit nicht auf dem Platz liegt

Markus Ehrenberg

Zu den Skurrilitäten der 80er und frühen 90er Jahre gehörte ein Phänomen, das plötzlich ebenso verschwunden schien wie das Baumsterben. Die Rede ist von Spielerfrauen. Nicht nur Fußballfreunde erinnern sich gerne an Gaby Schuster und Bianca Illgner oder später Angela Häßler und Martina Effenberg. Deren Outfit und Geschäftssinn lieferte viel Stoff für Harald Schmidt und Boulevard. Zuletzt hatte sich Bayern-Torwart Oliver Kahn bemüht, auch in dieser Hinsicht aufzufallen. Die Sache mit dem Münchner Partyluder Verena war aber nur halb so lustig wie damals das Make-Up von Frau Illgner.

Das hat wohl auch RTL eingesehen und legt den Mittelpunkt seiner neuen Serie „Das geheime Leben der Spielerfrauen“ an den Rhein nach Düsseldorf. Dort spielt der fiktive Erstligaverein 1. FC Düsseldorf um Deutsche Meisterschaft und Champions League. Dort gibt es aber auch Gucci, Chanel, Prada, kurz die Königsallee und all das, was Spielerfrauenherzen höher schlagen lässt.

Um es vorweg zu nehmen: Die Serie lässt kein Klischee aus, frei nach Ex-Manager Edgar Geenen („Was die Kicker interessiert? Das erste Thema ist Geld, das zweite hat lange Haare“). In der ersten Folge will Superstar Mario (Ben Tewaag) einen besseren Vertrag und Kapitän des 1. FC werden. Seiner ziemlich blonden Frau Petra (Niki Greb) ist dafür jedes Mittel recht. Sie führt zwischen zwei Haute-Couture-Einkäufen Scheinverhandlungen mit dem Manager eines anderen Vereins, der sich im SM-Studio fotografieren ließ. Darüber hinaus sind Trainer harte Hunde, Boulevard-Fotografen Schweine, Jungens „Ding“-gesteuert, und Frauen wollen eigentlich immer nur das Eine, auch wenn sie zuerst „Nein“ sagen. Phänomenal.

Das Ganze ist irgendwo zwischen „Manni, der Libero“ und den „Guldenburgs“ anzusiedeln, bestenfalls. Hoher Trash-Faktor. Gegen Unterschichtenfernsehen ist ja gar nichts zu sagen, aber im Grunde genommen hakt’s hier schon bei der Programmplanung. „Es gibt kaum ein Thema, das man so schön erzählen kann wie den Fußball“, meint der Produzent Michael Souvigner. Irrtum, es gibt kein größeres Missverständnis im Filmgeschäft. Sönke Wortmanns „Das Wunder von Bern“ zum Beispiel hatte eine recht gute Geschichte, scheiterte aber spätestens an den nachgestellten Spielszenen. Immerhin will die RTL–Produktion fallhöhentechnisch so gut wie gar nichts. Dramatische Konflikte, Spielszenen, Spieler, Spielerfrauen, das wirkt alles wie aus einer Soap oder von der Playstation geholt. Einmal hält Mario wirklich die Arme hoch wie Michael Ballack. Michael Ballack für Arme. Dabei sollen die Spiel- und Trainingsszenen mit Ex-Nationalspieler Herbert Neumann trainiert worden sein.

Es gibt aber doch noch einen Grund, morgen Abend einzuschalten. Ex-Manager Reiner Calmund hat einen großen Auftritt zwischen Kabine, Bettlaken und Tribüne. Sein „Mensch, Petra, mein Mäuschen, wenn man dich als Frau hat, dann kann man nur abgehen“ versöhnt unterhaltungsmäßig mit vielem. Der Mann weiß schließlich, wovon er spricht. Calmund musste sich in seiner Zeit bei Bayer Leverkusen mit Gaby Schuster als Verhandlungspartner herumschlagen. .

Aber auch Calmund wird „Das geheime Leben der Spielerfrauen“ nicht vor seinem gerechten Schicksal retten. Die letzte groß angekündigte RTL-Serie „Beauty Queen“ war ein dicker Flop. Nach vier Folgen ging die OP-Show mit Carsten Spengemann vom Bildschirm. Vorsichtshalber wurden mit den Spielerfrauen nur vier Folgen gedreht. Ganz schön heftig, der kriselnde Privatsender vertraut seinen eigenen Produktionen nicht. Dann vielleicht doch lieber das neue Buch von Bianca und Bodo Illgner: „Alles.“ Laut Klappentext ein „fiktiver Tatsachenroman“.

„Das geheime Leben der Spielerfrauen“, Donnerstag, RTL, 21 Uhr 15

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