Medien : Mensch und Medizin Das ZDF zeigt die dreiteilige Doku-Reihe „Die Gen-Jäger“

Thomas Gehringer

Der medizinische Fortschritt wirft eigentümliche Fragen auf: Wollen wir wirklich die Ergebnisse von Gentests wissen, die uns sagen, welche Krankheiten wir und unsere Kinder wahrscheinlich bekommen werden? Oder: Was bedeutet Präimplantationsdiagnostik? Und: Welche von beiden Fragen ist schwieriger zu beantworten? Die Erforschung des menschlichen Erbguts wird weit reichende Folgen haben, aber die Bedeutung des Themas verbirgt sich hinter einem ziemlich gewaltigen Berg von Spezialwissen. Dem ZDF gelingt mit der dreiteiligen Doku-Reihe „Die Gen-Jäger“ eine fernsehgerechte Annäherung: Anschaulich und verständlich werden anhand einzelner Fälle die Chancen, aber auch das Dilemma der Genetik geschildert.

Zum Beispiel Präimplantationsdiagnostik (PID): Die dreijährige Myriam kann nicht sprechen, nicht selbstständig atmen und essen. Ihre Wünsche drückt sie mit Blicken aus. Myriam liegt im Bett, an Maschinen angeschlossen – sie ist auf Grund einer schweren Erbkrankheit (Muskelschwund) ein 24-Stunden-Pflegefall. „Myriam ist in ihrer Welt glücklich“, sagt ihr Vater. Die Mutter ist wieder schwanger. Ob auch das zweite Kind geschädigt ist, können die Eltern frühestens nach drei Monaten Schwangerschaft erfahren. Die PID, eine Untersuchung der befruchteten Eizellen im Labor, noch bevor der entstehende Embryo in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt wird, ist in Deutschland nicht erlaubt. Ob die PID zum Einsatz kommt, „sollten die betroffenen Leute, die schon ein behindertes Kind haben, selbst entscheiden“, fordert Myriams Mutter. Sei die PID einmal eingeführt, hält der Ärztefunktionär Frank Montgomery dagegen, würde sie innerhalb kürzester Zeit nicht nur bei den seltenen Fällen der Träger solcher schweren Erbkrankheiten eingesetzt: „Dann werden wir die Menschen unter Aspekten der Nutzbarkeit im Reagenzglas selektieren.“

ZDF-Autor Jens Monath, selbst vor wenigen Wochen zum vierten Mal Vater geworden, hat die Begegnung mit Myriam und ihren Eltern nicht kalt gelassen. Er habe Myriam lieb gewonnen, sagt er. Zugleich weiß Monath: Wenn die PID zugelassen wäre, „würden Kinder wie Myriam nicht mehr geboren“. Ein eindeutiges Urteil für oder wider die neuen Möglichkeiten der Genetik vermeidet er: „Das ist sehr zwiespältig.“

Die „Gen-Jäger“ erinnern dank des „dialogischen Prinzips“ und einiger „bewusst enorm langer Einstellungen“ (Monath) eher an eine Filmerzählung als an eine nüchterne Dokumentation. So ist in Folge eins eine kanadische Familie zu sehen, die sich unter Tränen berät, ob sie das Ergebnis eines Gentests entgegen nehmen soll.

„Die Gen-Jäger“, ZDF, 9., 16. und 23. Juli, 22 Uhr 40 .

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