Micropayment und digitaler Kiosk "Blendle" : Ein Text für 29 Cent

Ein niederländischer Nutzer testet für uns den digitalen Zeitungs- und Zeitschriftenkiosk „Blendle“, der von Holland aus den Medien-Weltmarkt erobern will - mit Hilfe von Springer und der "New York Times".

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Die Blendle-Gründer Marten Blankesteijn (li.) und Alexander Klöpping.
Die Blendle-Gründer Marten Blankesteijn (li.) und Alexander Klöpping.Foto: dpa

Tageszeitungen und Magazine lesen sieht in den Niederlanden seit diesem Jahr anders aus. In April öffnete der digitale Zeitungskiosk Blendle seine Türen. Hier können Leser für einzelne Artikel bezahlen. Der deutsche Medienkonzern Axel Springer und die „New York Times“ sind vom Konzept begeistert und investieren gemeinsam drei Millionen Euro in das Start-up.

Die Idee der zwei niederländischen Gründer, Alexander Klöpping, 22, und Marten Blankesteijn, 27, ist so simpel wie genial: Bei Blendle kann man – wie bei einem „echten“ Kiosk – Zeitungen und Magazine gratis durchstöbern und die Intros lesen. Hat man Interesse an einem Artikel, kann man diesen per Mausklick kaufen. Die Preise dafür variieren, sie liegen durchschnittlich zwischen zehn und 29 Cent. Manche längeren, exklusivere Texte kosten 89 Cent.

"Blendle" ist nicht nur ein Kiosk, sondern eine Internet-Community

Funktioniert „das iTunes für Artikel“? Auf jeden Fall, Blendle macht Spaß. Das liegt zunächst daran, dass das Angebot sehr umfangreich ist. Die wichtigsten Printverlage der Niederlande kooperieren mit Blendle, ebenso wie einige belgische Zeitungen und die britische Wochenzeitung „The Economist“. Außerdem ist die Bedienung von Blendle einfach und nutzerfreundlich.

Blendle will Paywalls, also Bezahlschranken, „sexy“ machen: so lautete das Versprechen der Erfinder Blankesteijn und Klöpping. Die beiden wollten eine virtuelle Umgebung schaffen, wo ihre Generation – also junge Menschen, die sich zwar für Nachrichten und Hintergründe interessieren, aber nicht länger große Mengen an bedrucktem Papier kaufen wollen – sich wohlfühlt.

Genau das ist den jungen Unternehmern gelungen. Blendle ist nicht nur ein Zeitungskiosk, sondern auch eine Internet-Community, wo Mitglieder einander folgen, Artikel empfehlen und weiterleiten können – zum Beispiel an soziale Medien wie Twitter und Facebook.

Die Redaktion trifft täglich eine Auswahl von – in ihren Augen – interessanten Artikeln und schickt die Links per E-Mail an Interessierte. Dazu gibt es die Möglichkeit, „Blendle-Alerts“ zu installieren. Möchte ein Nutzer wissen, was die Zeitungen täglich über Deutschland, Angela Merkel oder Wladimir Putin berichten, bekommt er diese Artikel automatisch auf seine Blendle-Seite geladen.

Bei Nichtgefallen: Geld zurück

Dort ist sichtbar, welche Artikel über ein Thema „trendy“ sind, also von vielen Nutzern gelesen werden. Jeder Nutzer hat sein eigenes Archiv und kann auf seiner Blendle-Seite die gekauften Artikel in einer „Noch-zu-lesen-Liste“ speichern.

Alles sehr praktisch und ebenso einfach wie der Einstieg. Man registriert sich und bekommt die Möglichkeit, Geld auf sein Konto bei Blendle zu überweisen. Jeder neue Nutzer bekommt außerdem ein Grundguthaben von 2 Euro 50, um sich erst einmal umschauen zu können. Der Dienst hat auch eine „Geld-zurück“-Option. Wenn der Leser mit einem Artikel unzufrieden ist, kann er ihn zurückgeben. Blendle fragt nach dem Grund – „War der Artikel zu kurz, zu lang, nicht gut genug?“ – und überweist den bezahlten Betrag zurück aufs Konto.

Wenn Blankesteijn und Klöpping es schaffen, mit dem Investment von Axel Springer und der „New York Times“ ihre Idee international zu verbreiten, wird Blendle noch interessanter. Es gibt sicherlich Nutzer, die gerne einzelne Artikel aus der „New York Times“, dem „Figaro“, dem „Guardian“ oder dem Tagesspiegel kaufen und lesen möchten.

Nur: Wie viele? Blendle hat im Moment erst 140 000 registrierte User. Hätten Axel Springer und die „New York Times“ sich nicht rechtzeitig gemeldet, wäre das Start-up vermutlich gescheitert, gestehen Blankesteijn und Klöpping. Blankesteijn sagte dem Tagesspiegel, man habe „bewusst mehr Geld ausgegeben als reinkam. Wir sind davon ausgegangen, dass wir mit einer Alles-oder-nichts-Strategie schnell Investoren anziehen würden.“ Eine Theorie, die sich bestätigt hat. Jetzt hat Blendle erst einmal Geld und Zeit für die weitere Expansion.

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