Medien : Microsoft: Der Konzern hat die Nase voll

Annika Ulrich

"S-R-D-0-1-0-5-2-9-6-0-0-3-2-8", diktiert der Presseverhinderer. "Die Bearbeitungsnummer nennen Sie bitte unserem Mitarbeiter, wenn er Sie zurückruft." Innerhalb der nächsten zwölf Arbeitsstunden werde das passieren, also "heute, morgen oder übermorgen. Wir arbeiten von acht bis 18 Uhr und jetzt ist ja schon Nachmittag."

Die Anfrage war denkbar einfach: Wie kann man im Microsoft Explorer einen Filter für Pornografie und Gewaltdarstellungen installieren? Eine kurze technische Auskunft war gefragt, als Service für den Leser. "Ich stelle Sie mal zu unserem Support durch", hatte Microsoft-Pressereferentin Irene Nadler vorgeschlagen. Die Mitarbeiter dort könnten die Anfrage sofort beantworten. Womit sie sicher Recht hat, vorausgesetzt, man bekommt vor Redaktionsschluss jemanden ans Telefon. Da sei die Pressefrau auf dem falschen Dampfer, lässt der Support-Empfangsmann durchblicken. "Wir beantworten Presseanfragen nicht mehr bevorzugt." Microsoft habe die Nase voll von Journalisten, die sich kostenlose Sofort-Informationen erschleichen. Und außerdem braucht der Mann erst mal ein paar Angaben. Da könne ja jeder behaupten, Journalist zu sein. Name? Zeitung? Verlag? Grund der Berichterstattung? Telefonnummer? Mail-Adresse? Erscheinungsdatum des Berichts? Denn wenn kein Artikel erscheine, dann koste das Strafe. Das sei die neue Regelung.

Und was passiert, wenn die Information am Ende gar nicht so interessant ist, dass sie in der Zeitung erscheint? Das interessiere ihn nicht. "Soll ich Ihren Fall jetzt aufnehmen oder nicht? Einen guten Tipp hat er noch. Man solle mal woanders nachfragen, bei Netscape zum Beispiel, die machten auch Internet-Software.

Wer solche Mitarbeiter hat, braucht wirklich keine Konkurrenten.

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