• Microsoft verschenkt Betriebssystem - bis Freitag: Windows 10: Soll ich? Soll ich nicht?

Microsoft verschenkt Betriebssystem - bis Freitag : Windows 10: Soll ich? Soll ich nicht?

Am Freitag endet das Angebot von Microsoft, noch kostenlos auf Windows 10 umzusteigen. Ein Pro & Contra als Hilfe für die Entscheidung.

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Anderes Startmenü. Inzwischen soll es weltweit mehr als 350 Millionen Nutzer von Windows 10 (Foto) geben. Viele zögern noch, ihr vertrautes Windows-7-System aufzugeben.
Anderes Startmenü. Inzwischen soll es weltweit mehr als 350 Millionen Nutzer von Windows 10 (Foto) geben. Viele zögern noch, ihr...Foto: dpa

PRO: MEHR EFFIZIENZ

Am 29. Juli endet eine der wohl längsten Promotionskampagnen der IT-Geschichte: Ein Jahr lang hat Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 10 beworben, in dem es allen Nutzern der Vorgängerversionen Windows 7 und Windows 8.1 das kostenlose Upgrade auf die neue Software angeboten hat. Mitunter ging diese Werbung so weit, dass man nach jedem Einschalten des PCs darauf hingewiesen wurde, noch ganz schnell auf das neue Windows 10 umzusteigen.

Viele Nutzer sprachen darum bereits von einem Zwangsupdate. An diesem Freitag endet diese Frist, wer Windows 10 danach auf seinem Computer installieren will, wird zur Kasse gebeten. Was soll man also tun: updaten oder abwarten?

Es gibt eine Regel, die sich statistisch immer bewahrheitet hat: Jede zweite Windows-Version ist gut, die andere sollte man links liegen lassen. Windows 98 war heiß geliebt, Windows ME heftig gescholten, XP wurde zum Dauerbrenner. Bei den neueren Varianten schwören weltweit 40 Prozent auf Windows 7 – kein Wunder, schließlich fuhr man mit Windows Vista wie mit angezogener Handbremse und bei Windows 8 fehlte das gewohnte Startmenü, dafür gab es die gewöhnungsbedürftigen App-Kacheln.

Windows 10 müsste demnach wieder alle Nutzer glücklich machen. Für mich hat sich diese Regel bewahrheitet, auch wenn ich nicht auf allen Computern Windows 10 installiert habe, unter anderem wegen fehlender Treiber für einen Fingerabdruckscanner auf dem Notebook.

Für das Upgrade gibt eine Vielzahl von Gründen. Ein neues Windows ist ein sichereres Windows. Von absoluter Sicherheit sollte man bei Computern niemals reden, aber einige Sicherheitsfunktionen, die in den Vorversionen nachinstalliert werden mussten, sind „ab Werk“ enthalten. Sogar einen eigenen Virenscanner bringt Windows 10 mit.

Vor allem aber ist Windows 10 effizienter. Um unter Windows 7 mehrere Screenshots, also Bildschirmfotos, hintereinander anzufertigen, muss ich entweder ein zusätzliches Programm wie Greenshot installieren oder einen sehr umständlichen Weg gehen, in dem ich jedes Mal den Inhalt der Zwischenablage in eine Bildbearbeitung kopiere und speichere. Mit Windows 10 reicht ein Tippen auf Windows-Taste plus Druck-Taste, und ich kann beliebig viele Screenshots hintereinander in einem Verzeichnis anfertigen.

Von solchen Erleichterungen gibt es einige, zum Beispiel durch die neue Systemsteuerung oder beim Einsatz mehrerer Monitore an einem PC. Neu zudem: die Integration des Sprachassistenzsystems Cortana sowie des Internetbrowsers Edge, mit dem man auf Webseiten Kommentare wie mit Textmarker hinterlassen kann. Für das Upgrade sprechen die Apps, die sich nun im Startmenü befinden und die ähnlich funktionieren wie Apps auf Smartphones.

Falls einem das neue Windows nicht zusagt oder einige Zusatzgeräte oder Programme nicht mehr wie gewohnt funktionieren, kann man das Upgrade wieder komplett rückgängig machen. Wenn man feststellt, dass man beim neuen Windows bleiben will, werden durch das kostenlose Upgrade 135 Euro für den Kauf der Home- und 280 Euro für die Professional-Version gespart. Zudem soll es nach Windows 10 keine neuen Versionen mehr geben, vielmehr werden neue Funktionen über Updates bereitgestellt. Ein weiteres Pro & Contra erübrigt sich damit. Kurt Sagatz

CONTRA: VON WEGEN KOMPATIBEL

Nein, ja. Ja, nein. Jedes Mal, wenn zu Hause auf meinem PC in den vergangenen Monaten, Wochen und vor allem Tagen diese große Windows-10-Erinnerung aufpoppte, regte sich in mir ein Unbehagen, die Sorge, nicht rechtzeitig auf einen fahrenden Zug zu springen.

Klar, Windows 10, ein Gratisangebot, schön und gut, mit ein paar netten, schicken Features in Sachen Effizienz und Sicherheit (siehe Text oben). Nur: Wozu brauche ich eine digitale Assistentin, die mir erzählt, was meine Augen auf dem Bildschirm sowieso sehen und/oder nach ein paar Sekunden Google-Suche selbst erschließen können?

Vielleicht gefällt mir das Wort Sprachsteuerung nicht. Vielleicht bin ich ein wenig altmodisch. Vor allem aber: Nutzer von Windows 7, hochzufrieden mit diesem Betriebssystem und im Grunde meines Herzens Anhänger des Satzes: „Never change a winning team, a running system.“ Das hat mich – dem technischen Fortschritt durchaus aufgeschlossen – relativ gut durch die vergangenen Dekaden gebracht, die sich in Sachen neuer Hardware, neuer Software ja regelrecht überschlugen. Alle zwölf Monate ein ultraflaches Smartphone, wohl ein Depp, der da nicht gleich mitmacht.

Okay, Windows 10 ist ein wichtiges Betriebssystem, kein Firlefanz-Handy. Schauen wir uns die Merkmale genauer an. Für PC-Spieler soll es gut sein. Bin ich nicht. Ein Media-Center fehlt, das ist schon mal schlecht, auch wenn man sich die Funktionen des Media-Centers, wie das Abspielen von Videos, mit Downloads auf den Computer holen kann. Mit einem Fingerabdruck am PC anmelden? So schwierig ist die Sache mit den sicheren Passwörtern und dem Eintippen nicht.

Apropos Sicherheit, in Foren liest man, dass Windows 10 persönliche Daten an Microsoft übersendet, wenn man die „Expressinstallation“ gewählt hat, vor allem im Zusammenhang mit dem Nutzungsverhalten der Computeranwender. Das ließe sich hinterher durch ein paar Klicks ändern, aber mir gefällt schon mal der Aspekt nicht, dass die Firma Microsoft so etwas überhaupt eingebaut hat.

Und trotzdem: Das Upgrade-Angebot ist gratis, unwiederbringlich. Ja, nein. Nein, ja.… Ich gestehe, ich bin ich am Wochenende doch noch schwach geworden. Weichgekloppt vom ständigen Windows-10-Erinnerungs-Aufpoppen habe ich bei Desktop-PC und Notebook kurzerhand auf „Upgrade“ gedrückt (ist ja alles umkehrbar). Laut Kompatibilitätstest sollte das bei meinen rund sechs Jahre alten Geräten – mit nicht mehr taufrischem Prozessor und Arbeitsspeicher – möglich sein.

Und dann? Von wegen: Windows 10 läuft auf deiner alten Hardware. Das Upgrade beim Laptop dauerte via Lan sage und schreibe zwölf Stunden. Hinterher hakte es an vielen Ecken und Enden. Eine App hier, eine ruckelige TV-Karte dort. Runter damit, zurück zu Windows 7. Das wird ja supportmäßig noch bis 2020 unterstützt. Beim PC war es noch dubioser. Eine Stunde, zwei Stunden, drei Stunden ... nach elf Stunden war das Upgrade nicht beendet, stand bei 90 Prozent und ging einfach nicht weiter.

In zahlreichen Foren finden sich Beispiele von Nutzern, die Windows 10 installiert haben und zurückwollten. Wenn ich weiß, dass meine alten Programme und Hardware nicht mehr rund laufen, dann versuche ich das gar nicht erst, gratis hin oder her. Oder ich warte, bis ein neuer Computer fällig ist. Dann eben mit Windows 10, ohne Kinderkrankheiten. Markus Ehrenberg

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