Miles & More für Stubenhocker : Kleine Geschenke erhalten die Quote

Gutscheine und Backstage-Karten: TV-Sender planen ein Belohnungsprogramm für fleißige Zuschauer – nicht ganz uneigennützig.

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Achtung, gleich fragt die Kassiererin wieder. „Sammeln Sie die Herzen?“ Mittlerweile ist es ja zum Wettkampf geworden, jedem Sticker hinterherzulaufen, um irgendwann das Topfset, einen Koffer oder sonst etwas zu ergattern. Herzen, Punkte, Marken, Meilen – für Prämien und Rabatte wird fast alles gesammelt. Und das demnächst auch über das Fernsehen. Sammeln für die Quote könnte man das Konzept nennen, wahlweise auch Vielfliegerprogramm für Stubenhocker. Besonders eifrigen Kunden wird dann nicht mit Töpfen oder Koffern gedankt, sondern mit Gutscheinen, Eintritts- oder Backstagekarten für Shows. Willkommen im Belohnungsfernsehen.

Es mag sich ein wenig sonderbar anhören, doch die Sender müssen sich etwas einfallen lassen, wenn das Angebot immer größer und die Alternativen zum Fernsehen immer attraktiver werden. In den USA wird das Bonusprogramm für Vielseher bereits eine ganze Weile praktiziert. Hierzulande will es die Sendergruppe ProSiebenSat.1 voraussichtlich als erste auf den deutschen Markt bringen. Im zweiten Halbjahr 2012 plant sie, ein so genanntes TV-Loyalty-Programm einzuführen, verkündete Stephen Strubel von ProSiebenSat.1 digital Ende Mai auf einem Symposium. Konkreter will man mit dem Hinweis auf die Wettbewerber nicht werden.

Aber klar ist schon jetzt: Der Kampf um die Zuschauer hat längst eine neue Ebene erreicht – die virtuelle. Denn ob ein Zuschauer wirklich treu ist und sich beispielsweise alle Folgen einer Serie ansieht, soll anhand seiner Chats, Facebook- oder Twitter-Nachrichten gemessen werden. Social TV nennt sie sich, die Verschmelzung von Internet und Fernsehen. Möglich macht es der „Second Screen“, also parallel zum Fernsehen genutzte Geräte wie Smartphones, Tablet-PCs und Laptops. Nach einer Studie des Branchenverbands Bitkom surft immerhin bereits knapp die Hälfte der Zuschauer beim Fernsehen im Internet.

In der linken Hand liegt die Fernbedienung, in der rechten das Smartphone. Das darin verborgene Potenzial haben die Sender entdeckt. Sie bieten online zusätzliche Hintergrundberichte an, stellen Chatmöglichkeiten zur Verfügung oder liefern gleich eine App mit All-Inclusive-Paket. Die Sache mit dem Belohnungsfernsehen ist nun der nächste Schritt, und die Frage darf erlaubt sein, wo das alles hinführen wird. Liefert die ARD ihrem fleißigsten Zuschauer vielleicht eines Tages Chips und Bier ans Sofa? Oder verschenkt RTL an Lisa und Michael von nebenan Komparsenrollen bei „Gute Zeiten, Schlechte Zeiten“, weil sie bislang jede der 5006 Folgen geschaut haben?

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