Militärpublizist : Zeev Schiff gestorben

Der weltberühmte israelische Militärpublizist Zeev Schiff ist gestorben. Mit seinem Fachwissen, seinen scharfen Analysen und seinen mutigen Stellungnahmen hat er auch gegen "die eigenen Leute" geschrieben. So geschehen, als Ariel Scharon 1982 in den Libanon-Krieg trieb.

Charles Landsmann

Tel AvivZeev Schiff, der weltberühmte israelische Militärpublizist, ist im Alter von 74 Jahren in Tel Aviv einem Herzleiden erlegen. Schiff war schon zu seinen Lebzeiten nicht nur in Israel, sondern auch in den internationalen strategischen Instituten eine Legende – zu Recht. Seine brillanten Analysen zur Sicherheitslage im Nahen Osten, seine mutigen Stellungnahmen, sein enzyklopädisches Fachwissen hoben ihn auch über die Masse selbst der guten Militärkorrespondenten und erst recht über die der blutleckenden, aber auch der auf „human touch“ machenden Kriegsreporter hinaus.

Schiff war ein zwar überaus kritischer, aber stets loyaler israelischer Patriot, wie selbst die unter seiner sachlichen Kritik leidenden Militärs zähneknirschend zugeben mussten – und ihn weiterhin mit exklusiven Informationen versorgten. Er bemühte sich, stets besser informiert zu sein als alle seine Konkurrenten, hasste nichts so sehr wie überrascht zu werden. Fast 50 Jahre lang verfolgte und analysierte Schiff für die angesehene Tageszeitung „Haaretz“ Israels zahllose Kriege, Feldzüge, Präventiv- und Vergeltungsschläge, Scharmützel und Kämpfe. Nicht nur mutig aus nächster Nähe, an der Front, sondern auch mit der notwendigen Distanz.

Ein einziges Mal ließ er sein leichtes Lächeln vermissen, hielt er sich nicht an seine eigenen Prinzipien: 1982, im ersten Libanonkrieg, attackierte er in einer Mischung aus beruflicher und persönlicher Wut den damaligen Verteidigungsminister Ariel Scharon – wohlverstanden bis dahin eine seiner besten Quellen –, weil dieser Israel in einen unnötigen Krieg getrieben und die demokratischen Grundfesten des jüdischen Staates untergraben habe.

Im selben Krieg war Schiff dann auch der Erste, der einen israelischen Minister über die Massaker in den palästinensischen Flüchtlingslagern von Sabra und Shatilla unterrichtete, derentwegen Scharon zurücktreten musste. Der selbe Scharon, der als Ministerpräsident von Schiff wegen seiner Rückzugspläne aus dem Gazastreifen gewarnt, aber danach für die Umsetzung derselben auch gelobt wurde.Charles Landsmann/Tel Aviv

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