Milliardenschulden : Tribune-Gruppe ist pleite

Mit acht Milliarden Dollar geliehenem Geld kauft Sam Zell die Tribune-Gruppe. Nun muss er Gläubigerschutz beantragen. Betroffen auch: die Deutsche Bank

Kurt Sagatz

Der zweitgrößte Zeitungsverlag der USA ist pleite. Die Mediengruppe Tribune, die im vergangenen Jahr vom Immobilienmagnat Sam Zell unter anderem mit acht Milliarden Dollar Bankschulden gekauft wurde, kann nicht mehr für Zins und Tilgung aufkommen und hat am Montag einen Insolvenzantrag gestellt. Zur Gruppe gehören acht Zeitungen, darunter die Traditionsblätter „Los Angeles Times“ und „Chicago Tribune“, sowie 23 TV-Sender und der Baseballclub Chicago Cubs.

Der Antrag der Tribune-Gruppe erfolgt nach den Chapter-11-Regeln des im amerikanischen Insolvenzrecht festgelegten Gläubigerschutzes. Anders als in Deutschland wird kein Insolvenzverwalter eingesetzt. Das Management erhält die Chance, die finanziellen Probleme allein in den Griff zu bekommen. Nach dem Verfahren hatten US-Fluggesellschaften die wirtschaftlichen Folgen der Anschläge vom 11.9.2001 abgefedert.

Von der Tribune-Gruppe wird die aktuelle Zahlungsunfähigkeit mit einem dramatischen Einnahmeeinbruch begründet: „Der Verlust von Anzeigeneinnahmen zusammen mit der Wirtschaftsflaute und der Kreditkrise hat es extrem schwer gemacht, unsere Schulden zu bedienen“, sagte Sam Zell. „Diese Faktoren haben sich zu einem perfekten Sturm für das Unternehmen gebündelt.“ Zell kündigte an, bei der Umstrukturierung solle vor allem die Schuldenlast im Mittelpunkt stehen, die laut US-Medienberichten bei 13 Milliarden Dollar (10 Milliarden Euro) liegt.

Die Tribune-Insolvenz könnte offenbar auch Auswirkungen auf die Deutsche Bank haben. Dem US-Magazin „Editor & Publisher“ zufolge haben die Frankfurter dem Medienunternehmen Kredite von umgerechnet 572 Millionen Euro gewährt. Die Bank wollte den Bericht nicht kommentieren. Aus Finanzkreisen heißt es allerdings, dass kein Verlust aus dem Geschäft erwartet wird. Kurt Sagatz

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