Medien : Millionen für die SPD

Medienholding wehrt sich gegen ihre Kritiker

Ulrike Simon

Allen voran der „Neuen Westfälischen“ aus Bielefeld hat die SPD-Medienholding DDVG (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft) einen kräftigen Gewinnsprung zu verdanken. 12,5 Millionen Euro Gewinn nach Steuern erlöste die DDVG 2003. Im Jahr zuvor flossen der Partei noch 9,2 Millionen Euro zu. Zur „positiven Grundstimmung“ bei der DDVG trügen auch die auf 10,4 Prozent gestiegene Kapitalrendite und die auf 8,3 Millionen Euro abgebauten Bankverbindlichkeiten bei, sagte Geschäftsführer Jens Berendsen am Donnerstag bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für das vergangene Jahr. Für 2004 erwartet er aufgrund der Anzeigenrückgänge jedoch wieder ein Ergebnis auf dem Niveau von 2002.

Zum Engagement bei der „Frankfurter Rundschau“, an der die DDVG seit Mai 90 Prozent hält, sagte Berendsen, dass voraussichtlich von Mitte 2005 an die Verkaufsverhandlungen eingeleitet würden. Die DDVG wolle ihre Beteiligung dann auf 39 Prozent herunterfahren, zehn Prozent blieben bei der Karl-Gerold-Stiftung, die Mehrheit solle dann ein Partner aus dem Verlagsbereich, nicht jedoch ein Finanzinvestor übernehmen. Berendsen ist seit Oktober für die Dauer von „maximal sechs Monaten“ zusätzlich Geschäftsführer der „FR“. Die zweite Mehrheitsbeteiligung an der „Frankenpost“ wird aufgegeben. Das defizitäre Blatt, das der Süddeutsche Verlag aus kartellrechtlichen Gründen an die DDVG verkauft hatte, schreibe wieder schwarze Zahlen, sagte Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier. Stein des Anstoßes für die Kartellbehörde war die Beteiligung der „Frankenpost“ am „Vogtland-Anzeiger“, den die SPD kürzlich verkauft hat. Damit steht dem Rückkauf der „Frankenpost“ durch den Süddeutschen Verlag nichts mehr im Weg. Mit 35 Prozent werde die DDVG jedoch Minderheitsgesellschafter bleiben.

Eine klare Absage erteilte Wettig-Danielmeier Forderungen, die SPD solle sich von ihren Medienbeteiligungen trennen. Vorstand und Präsidium wollen an der DDVG festhalten. Minister Wolfgang Clement sei mit seiner gegenteiligen Meinung „in der Minderheit“. Die DDVG leiste mit ihren Erlösen einen unverzichtbaren Beitrag zur Finanzierung der SPD, „da wir anders als CDU und FDP nur geringfügige Firmenspenden erhalten“. Der Kritik an den Medienbeteiligungen fehle es im Übrigen an jeglicher Substanz, sagte Wettig-Danielmeier. So gebe es keine einzige seriöse Untersuchung, die darauf hinweise, dass die SPD publizistischen Einfluss auf die Medien der DDVG nehme. Dasselbe bestätigten die am Dienstag vom Medienwissenschaftler Michael Haller präsentierten Studien: Zeitungen, an denen die SPD-Holding Anteile besitzt, berichteten „in keinerlei Hinsicht SPD- freundlicher als andere Zeitungen“. Es sei eher das Gegenteil der Fall. Auch bei der „Frankfurter Rundschau“ sei der Befund eindeutig. Eine Änderung der redaktionellen Linie gegenüber der SPD sei nicht festzustellen. Als Referenzmedien dienten „FAZ“ und „Süddeutsche“.

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