Medien : Milosevic: Der Prozess

Caroline Fetscher

Heute morgen um zehn Uhr tritt Slobodan Milosevic, Untersuchungshäftling des Den Haager Tribunals für das ehemalige Jugoslawien, zum ersten Mal vor seine Richter. Die Anklageschrift wird ihm vorgelesen, und er hat das Recht, "schuldig" oder "nicht schuldig" zu plädieren. Vermutet wird, dass er kein Wort spricht, da der Angeklagte sich weigert, das Gericht anzuerkennen.

Wie in meisten Gerichtssälen der Welt ist auch im Den Haager Tribunal das Fotografieren und Filmen verboten. Presse und Besucher müssen zwei elektronische Sicherheitsschleusen passieren, ehe sie die steinernen Treppen zu den drei Gerichtssälen hinaufsteigen. Gestern wurde im Gerichtshof gehämmert und gebohrt und zusätzliche Überwachung installiert. In den größten Saal, "Courtroom I", passen maximal 140 Besucher. Dort wollen heute mehr als 800 Journalisten sitzen - die meisten wurden abgewiesen. Mit einer Armada von Übertragungswagen haben sie sich in Den Haag aufgebaut, eine Spur der Johann de Wittlaan, die parallel zum Gerichtsgebäude verläuft, ist schon seit Freitag gesperrt, um den Wagen mit den Satellitenschüsseln auf dem Dach Platz zum Parken zu geben.

Der Pool derer, die den Angeklagten hinter einer kugelsicheren Glaswand "live" erleben können, besteht aus den permanent Akkreditierten der internationalen Nachrichtenagenturen sowie der jugoslawischen Agentur Beta. Präsent sind außerdem Mitarbeiter des preisgekrönten Institute for War and Peace Reporting (IWPR), das jede Woche ein Update der Prozesse für Sender im ehemaligen Jugoslawien zusammenschneidet. Denn sehen kann die Öffentlichkeit jeden Prozess: ICTY-Television, das hauseigene Fernsehen des Gerichts, nimmt alle Sitzungen mit mehreren Kameras auf und stellt sie, um eine halbe Stunde zeitversetzt, zur Verfügung. Mit Ausnahme von Kroatien, das die Sendungen des IWPR nicht übernimmt, werden die IWPR-Programme Woche für Woche gesehen und lösen oft heftige Debatten aus.

Bilder aus dem Gericht werden heute BBC, CNN, Phoenix (ab 9 Uhr 15) und andere Kanäle liefern. Auf der Website des Tribunals lässt sich das Geschehen ebenfalls verfolgen. Das Erscheinen von Milosevic am heutigen Dienstag soll kaum eine Stunde dauern. Monate werden bis zu seinem nächsten Erscheinen vergehen. Der Angeklagte bereitet in dieser Zeit in der Zelle seine Verteidigung vor.

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