Ministerin integriert Medien : Alle schreiben mir nach

Die niedersächsische Integrationsministerin Aygül Özkan will, dass die Journalisten eine "Mediencharta für Niedersachsen" unterzeichnen. Pressevertreter sollen über "Herausforderungen der Integration berichten" und eine "kultursensible Sprache" verwenden.

Niedersachsens neue Integrationsministerin Aygül Özkan.
Niedersachsens neue Integrationsministerin Aygül Özkan.Foto: dpa

Niedersachsens neue Integrationsministerin Aygül Özkan (CDU) hat am Freitag in der Medienwelt erheblichen Wirbel ausgelöst: Die Ministerin will Journalisten eine „Mediencharta für Niedersachsen“ unterzeichnen lassen. Mit dem Papier sollen sich die Pressevertreter unter anderem verpflichten, über „Herausforderungen der Integration zu berichten“ und eine „kultursensible Sprache“ anzuwenden. Mitte August sollte die Charta nach Vorstellungen Özkans öffentlich von Journalisten unterzeichnet werden.

Medienvertreter kritisierten die Pläne heftig. „Unverblümter hat seit langem kein Politiker mehr versucht, Zeitungen und elektronische Medien auf Kurs zu bringen“, sagte der Chefredakteur der Oldenburger „Nordwest-Zeitung“, Rolf Seelheim. NDR-Sprecher Martin Gartzke sagte: „Verantwortungsvolle Berichterstattung zum Thema Integration gehört zu unserem öffentlich-rechtlichen Auftrag. So gut gemeint der Vorschlag gemeint sein mag, so problematisch erscheint uns der Vorgang, dass Medienvertreter eine in einem Ministerium formulierte Verpflichtungserklärung abzeichnen sollen.“ Özkan versuchte am Nachmittag, die Wogen zu glätten. Der bisherige Text sei nur ein Entwurf gewesen. „Die Charta war und ist als eine erste mögliche Diskussionsgrundlage gedacht.“ Eine Mail dazu an Journalisten habe aber nicht deutlich genug gemacht, dass es sich um einen Entwurf handeln sollte. „Insofern verstehe ich die Irritation und möchte klarstellen: Nichts liegt mir ferner, als die Unabhängigkeit der Medien in irgendeiner Form zu berühren“, betonte Özkan.

Die 38-Jährige wurde vom damaligen Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) als erste türkischstämmige Ministerin in das Kabinett geholt. Bereits vor ihrem Amtsantritt sorgte sie mit der Äußerung für Wirbel, dass in Schulen aus ihrer Sicht weder Kreuze noch Kopftücher erlaubt sein sollten. Damals ruderte Özkan jedoch schnell zurück. (dpa/Tsp)

30 Kommentare

Neuester Kommentar